Der Westweg ist nicht der spektakulärste Fernwanderweg in Deutschland. Er ist der älteste, der ehrlichste und vermutlich der naheliegendste Trail, um zu lernen, wie sich Mehrtagestrekking eigentlich anfühlen sollte. 285 Kilometer durch den Schwarzwald, von Pforzheim am Nordrand bis Basel am Rhein. Markiert seit 1900 mit einer roten Raute auf weißem Grund, gepflegt vom Schwarzwaldverein, gegangen jedes Jahr von ein paar tausend Menschen.
Wir bauen unsere Rucksäcke 30 Kilometer Luftlinie vom Westweg-Korridor entfernt, in Emmendingen. Wenn wir Prototypen testen, gehen wir auf dem Trail oder einem seiner Seitenarme. Das macht diese Anleitung anders als das, was du sonst zum Westweg findest: Der Trail aus der Sicht eines Rucksack-Herstellers, der ihn als Heimrevier kennt.
Wir erklären dir, in wie vielen Etappen das realistisch geht, wann der Schwarzwald wirklich freigibt, wo du übernachten kannst, und vor allem: wie du das Ganze mit unter 5 kg auf dem Rücken machst, ohne irgendetwas zu vermissen. Mittelgebirgs-Trails wie dieser sind die naheliegendste UL-Disziplin im DACH-Raum, nur weiß das fast niemand. Die meisten gehen den Westweg mit dem 75-Liter-Trekkingrucksack, den sie für eine geplante Alpenüberquerung gekauft haben, und schleppen Hardware durch den Schwarzwald, die der Trail nicht braucht. Das geht eleganter.
Was du in diesem Guide findest: einen ehrlichen Etappenplan mit gerundeten Distanzen und Höhenmetern, eine Saison-Einschätzung ohne Tourismus-Marketing, eine vollständige UL-Packliste für die Hauptsaison, sieben konkrete Strategien speziell fürs Mittelgebirge, und am Ende einen FAQ-Block mit den Fragen, die uns Westweg-Interessenten am häufigsten stellen. Was du nicht findest: Buchungs-Funnels, Affiliate-Tabellen oder den x-ten Hinweis auf KONUS-Karten ohne Kontext.
Westweg in Zahlen: was du übers Profil wissen musst
Der Westweg verbindet Pforzheim mit Basel und ist seit 1900 als erster deutscher Fernwanderweg ausgeschildert. Die offizielle Strecke misst 285 Kilometer, das Höhenprofil summiert sich je nach Variante auf rund 7.000 Höhenmeter im Aufstieg. Das klingt viel, verteilt sich aber auf zwölf Etappen, und keine einzige davon erinnert an einen Alpenpass. Du wanderst durch Wälder, über Hochmoore, an Bergseen vorbei und über die höchsten Erhebungen des deutschen Mittelgebirges.
Die höchsten Punkte liegen alle auf der Südhälfte: Hornisgrinde (1.163 m), Belchen (1.414 m), Feldberg (1.493 m, höchster Berg in einem deutschen Mittelgebirge). Klingt nach wenig im Vergleich zu den Alpen, fühlt sich aber nach drei Tagen Schwarzwald-Wetter wirklich nach Höhe an. Wer mit der schwersten Etappe (Forbach–Unterstmatt, knapp 1.000 Höhenmeter Aufstieg an einem Stück) umgehen kann, schafft auch den Rest.
Ab Titisee teilt sich der Trail. Die Westvariante führt über Feldberg, Belchen und Blauen nach Basel, das ist der höhere und beliebtere Weg. Die Ostvariante verläuft über Herzogenhorn und den Dinkelberg, ist landschaftlich ruhiger und etwa fünf Kilometer länger. Wenn du nicht aktiv abwägst, nimm die Westvariante. Sie hat die Aussichten, den Belchen-Sonnenuntergang und die markanteren Hochlagen.
Markiert ist der Westweg lückenlos mit der roten Raute des Schwarzwaldverein, eine Marke, die du nach drei Tagen automatisch suchst. Auf den meisten Etappen reicht die Beschilderung allein. Trotzdem: Komoot, Outdooractive oder GPX vom Schwarzwaldverein als Backup auf dem Telefon. Das Wetter im Schwarzwald wechselt schneller, als die Markierungen sich finden lassen.
Westweg-Etappen: Pforzheim–Basel in 12 Etappen
Die Aufteilung in zwölf Etappen ist die häufigste, in den großen Etappenführern und auch beim Schwarzwaldverein. Manche gehen in elf Etappen (längere Tage), manche in dreizehn (gemütlicher mit Pause). Die folgende Tabelle ist ein realistischer Schnitt für jemanden, der gut unterwegs ist, aber nicht jeden Tag bis zum Sonnenuntergang trekken will.
| Etappe | Strecke | km / Hm↑ | Übernachtung |
|---|---|---|---|
| 1 | Pforzheim → Dobel | ~24 km / ~700 Hm | Pension oder Hotel in Dobel |
| 2 | Dobel → Forbach | ~26 km / ~750 Hm | Pension/Gasthaus Forbach (Murgtal) |
| 3 | Forbach → Unterstmatt | ~20 km / ~950 Hm | Berghotel Unterstmatt (Härteste Etappe) |
| 4 | Unterstmatt → Alexanderschanze | ~22 km / ~600 Hm | Schwarzwaldhochstraße, Hotel Zuflucht |
| 5 | Alexanderschanze → Hark | ~25 km / ~550 Hm | Hark / Hausach-Vorland |
| 6 | Hark → Hausach | ~15 km / ~350 Hm | Hausach (Bahnhof, Resupply, Pensionen) |
| 7 | Hausach → Wilhelmshöhe | ~24 km / ~800 Hm | Wilhelmshöhe / Schonach |
| 8 | Wilhelmshöhe → Hinterzarten | ~24 km / ~650 Hm | Hinterzarten/Titisee (Resupply, Bahn) |
| 9 | Hinterzarten → Feldberg-Pass | ~14 km / ~700 Hm | Feldberg-Hütte oder Bärental |
| 10 | Feldberg → Wiedener Eck (Belchen) | ~20 km / ~600 Hm | Wiedener Eck oder Belchenhaus |
| 11 | Belchen → Kandern | ~24 km / ~350 Hm | Kandern (kleinstädtisch, Pensionen) |
| 12 | Kandern → Basel | ~27 km / ~400 Hm | Basel SBB (Zielbahnhof) |
Die Etappen sind in der Regel zwischen 14 und 27 Kilometer lang, was bei einem Mittelgebirgs-Profil und vernünftigem Tempo gut machbar ist. Wer langsamer geht oder mehr Pausen einbaut, splittet Etappe 5 (Alexanderschanze–Hark) in zwei Hälften oder schiebt einen Ruhetag in Hausach oder Hinterzarten ein, beides Bahnhofsorte mit Versorgung.
Distanzen und Höhenmeter in der Tabelle sind gerundet und basieren auf dem offiziellen Etappenplan des Schwarzwaldverein und dem Schwarzwald-Tourismus-Portal. Vor der Tour: aktuelle Werte über schwarzwaldverein.de oder schwarzwald-tourismus.info verifizieren, beide pflegen ihre Etappenseiten kontinuierlich.
Beste Jahreszeit: wann der Schwarzwald wirklich freigibt
Der Schwarzwald ist ein Mittelgebirge, das sich gerne benimmt wie ein kleines Hochgebirge. Die Hochlagen (Feldberg, Belchen, Hornisgrinde) sehen zwischen Mitte November und Mitte April häufig Schnee, manchmal bis tief in den Mai. Und der Schwarzwald hat seinen Namen nicht zufällig: dichte Wälder, hohe Niederschlagsmengen, Nebellagen. Plane realistisch.
Mai bis Juni: das beste Zeitfenster
Wenn du wählen kannst, geh den Westweg im späten Frühling. Mitte Mai bis Mitte Juni ist meist schneefrei in den Hochlagen, die Tage sind lang (gut 16 Stunden Tageslicht), das Laub ist frisch grün, die Mücken halten sich noch zurück. Die Pensionen und Hütten haben geöffnet, sind aber noch nicht ausgebucht. Wer flexibel ist: das ist die ehrliche beste Jahreszeit für den Westweg.
Juli bis August: warm, voll, gewitterträchtig
Hochsaison. Pensionen voll (Vorausbuchung Pflicht), Hütten teils ebenfalls. Das Wetter ist warm bis heiß, was im Schwarzwald angenehm sein kann, aber auch Gewitter mitbringt. Auf den Hochlagen Feldberg und Belchen kommen die schnell und ruppig. Plane Pausen mit Blick auf den Wetterbericht.
September bis Anfang Oktober: der Geheimtipp
Der goldene Herbst im Schwarzwald ist atemberaubend, die Buchen brennen orange, die Tannen stehen im Kontrast. Wenig los auf dem Trail, Pensionen freier, das Wetter oft stabiler als im Sommer. Nachteil: kürzere Tage (gegen Ende Oktober nur noch 11 Stunden), und die ersten Frostnächte sind möglich. Bei Trekkingtour ist ein Schlafsack oder Quilt mit Komforttemperatur ≤ 5 °C wärmstens zu empfehlen.
Übernachtung: Hütten, Pensionen, Trekking-Camps
Der Westweg ist deutlich zivilisationsnäher als die meisten Alpen-Trails. In fast jedem Etappenort gibt es eine Pension, ein Gasthaus oder ein einfaches Hotel. Das ist die normale Übernachtungsform: Bett, Dusche, Frühstück, abends ein warmes Essen. Pro Nacht zwischen 60 und 100 € im Doppelzimmer, oft günstiger im Einzelzimmer-Mehrbettlager. Buchen lohnt sich, vor allem im Juli/August.
Schwarzwaldverein-Hütten und Schutzhütten
Der Schwarzwaldverein betreibt entlang des Trails eine Reihe von bewirtschafteten und unbewirtschafteten Hütten. Die bewirtschafteten haben Öffnungszeiten (oft nur Wochenende oder Saison), die einfachen Schutzhütten sind frei zugänglich, bieten aber nur einen Wetterschutz, kein vollwertiges Lager. Aktuelle Liste mit Öffnungszeiten: schwarzwaldverein.de.
Trekking-Camps Schwarzwald
Seit 2017 gibt es im Schwarzwald offizielle Trekking-Camps: einfache, naturbelassene Stellplätze im Wald, gegen kleine Gebühr (5–10 € pro Person/Nacht), Reservierung online. Es gibt sie nicht direkt am Westweg, aber in Trail-Nähe; manche lassen sich mit kleinen Umwegen integrieren. Die Camps haben eine Komposttoilette, eine Feuerstelle und sonst: Wald. Das ist die Form von Schwarzwald-Übernachtung, die UL-Hiker glücklich macht.
Wildcampen: rechtlich grau, praktisch okay
Wildcampen ist in Baden-Württemberg im Wald grundsätzlich nicht erlaubt, biwakieren mit einer Nacht ohne Lagerfeuer und ohne Spuren wird in der Praxis meist toleriert, sofern du dich an Naturschutzgebiete und Privatgrund hältst. Wer das macht, geht spät rein, früh raus, no trace. Eine offizielle Erlaubnis dafür gibt es nicht, eine offizielle Anzeige aber auch selten. Wer auf der sicheren Seite sein will: Trekking-Camps oder Pension.
Praktisch heißt das: Wenn du den Westweg konsequent „wild“ gehen willst, mische Trekking-Camps mit Pensionen und gelegentlichen Schutzhütten. Komplett zelten ohne Pension-Touch ist möglich, aber nicht entspannt.
Was der Westweg wirklich vom Rucksack will
Hier kommt der Hersteller-Teil. Wer einen Mittelgebirgs-Trail wie den Westweg als Alpenüberquerung-light betrachtet, packt automatisch zu schwer. Die Anforderungen sind real, aber sie sind andere.
Höhenmeter pro Tag: moderat, aber stetig
500 bis 950 Höhenmeter pro Etappe, verteilt auf 14 bis 27 Kilometer. Das ist deutlich weniger Gefälle als bei einer Alpenüberquerung (typisch 1.200–1.800 Hm/Tag). Heißt: dein Setup muss nicht für massive Lastübertragung optimiert sein. Ein rahmenloser Rucksack reicht völlig aus, weil Basisgewicht plus Tagesverpflegung selten über 7 kg landen.
Wetter: Regen statt Sturm
Der Schwarzwald hat Regentage. Viele. In Höhenlagen über 1.000 m kann es sechs Stunden am Stück regnen, auch im Hochsommer. Aber Sturm im hochalpinen Sinne (40+ km/h, kombiniert mit Hagel und freier Exposition) ist selten. Heißt für den Rucksack: Wasserdichtigkeit ist wichtig!. Getapte Nähte und ein wasserdichtes Material sind hier Gold wert.
Konkret: Auf einer typischen Westweg-Tour packst du dein Setup mindestens dreimal im strömenden Regen aus und ein. Wenn der Rucksack innen nass wird, weil er nur „wasserabweisend“ ist, ist dein Schlafsetup nass, und wenn dein Schlafsetup nass ist, ist die Tour vorbei. Pack-Liner und Regencover sind Krücken, die für 80 bis 120 g extra Gewicht sorgen, weil das Grundmaterial nicht stimmt. Wir bauen den Agilist so, dass diese Krücken überflüssig sind.
Volumen: 50–55 Liter reichen
Wer mit einer ultraleichten Trekking Ausrüstung unterwegs ist (Basisgewicht unter 5 kg), braucht keinen 70-Liter-Rucksack. 50 bis 55 Liter sind das richtige Volumen für den Westweg, inklusive Verbrauchsgüter und etwas Puffer für eine zusätzliche Isolationsjacke an kühlen Hochlagen-Abenden. Der Agilist 2026 mit 54 Litern landet genau im Sweet Spot.
Trekkingstöcke: empfohlen, aber nicht kritisch
Auf einer Alpenüberquerung sind Stöcke fast Pflicht (Knie-Versicherung bei langen Abstiegen). Auf dem Westweg sind sie nice-to-have. Die Abstiege sind kürzer und weniger steil, du kommst auch ohne klar. Wer Trekkingstockzelte oder Pyramid-Tarps nutzt, nimmt sie für die Hardware mit, sonst sind sie optional.
Westweg-Packliste: das Mittelgebirgs-Setup
Diese Packliste ist eine konkrete Empfehlung für den Westweg in der Hauptsaison (Mai bis September). Alle Gewichte sind gewogen, nicht aus Herstellerangaben übernommen. Vergleichswerte wie das volle UL-Setup für 3-Jahreszeiten findest du in unserer Ultraleicht-Packliste; hier ist die Schwarzwald-spezifische Variante.
| Gegenstand | Gewicht | Hersteller-Kommentar |
|---|---|---|
| WeitLäufer Agilist 2026 (54 L, Größe M) | 570 g | Ultra 200X, getapte Nähte. Auf dem Westweg dein wichtigstes Argument gegen Schwarzwald-Dauerregen. |
| Trekkingstockzelt oder einwandiges UL-Zelt (z.B. Durston X-Mid 1) | ~750 g | Geschlossenes Shelter mit Boden. Tarp-only ist im Schwarzwald wegen Mücken und Wetterumschwung zu stressig. |
| Heringe (6× Titan-Shepherd-Hook) | 36 g | Reichen, weil die Schwarzwald-Böden meist weich sind. |
| Daunenquilt 0–5 °C Komforttemperatur (z.B. Cumulus Quilt 300) | ~495 g | Hochlagen-Nächte werden auch im August einstellig. Ein 10-°C-Quilt reicht nicht zuverlässig. |
| Isomatte mit R-Wert ≥ 4 (z.B. Therm-a-Rest NeoAir XLite NXT) | ~367 g | R-Wert ≥ 4 ist auch im Sommer Pflicht, weil die Hochlagen-Böden Wärme schnell wegziehen. |
| Regenjacke (z.B. OR Helium) | ~180 g | Im Rucksack, jeden Tag erreichbar. Auf dem Westweg ziehst du sie häufiger an als auf jedem Alpen-Trail. |
| Isolationsjacke (Daunen- oder Kunstfaser, z.B. Cumulus Inverse) | ~230 g | Für Hochlagen-Abende und Belchen-Sonnenuntergang. |
| Wechsel-Shirt (Merino, langarm) | ~150 g | Schlaf-Shirt und Backup. Merino stinkt nicht nach drei Tagen, Synthetik schon. |
| Wind Pants (Ripstop Nylon) | ~50 g | Gegen Wind und Mücken auf den Hochlagen, Regenhose nur bei Herbst-Tour mitnehmen. |
| Wechselsocken (Merino, 2 Paar) | ~100 g | Zwei Paar reichen, eines am Körper, eines im Pack zum Trocknen. |
| Buff, dünne Mütze, dünne Handschuhe | ~95 g | Hochlagen-Versicherung. 95 g, die im Notfall nass-kalte Erschöpfung verhindern. |
| Kocher (Gas, BRS-3000T) + Topf 650 ml + Löffel + Feuerzeug | ~125 g | Gas reicht für 12 Tage problemlos, eine 100-g-Kartusche genügt bei sparsamer Nutzung. |
| Smartphone (Navi, Kamera, Notfall) + Powerbank 10.000 mAh + Kabel | ~370 g | Powerbank reicht für 3–4 Tage; an Pensionen/Hütten nachladen. |
| Stirnlampe (z.B. Nitecore NU25 UL) | ~28 g | Auch im Mai, weil Hütten-Anwege im Schwarzwald oft verwurzelt sind. |
| Wasserfilter (z.B. Katadyn BeFree) + 1 L PET-Flasche | ~87 g | Im Schwarzwald viele Bäche, aber nicht alle trinkbar (Weidetiere). Filter ist nicht optional. |
| Hygiene & Erste Hilfe (umgepackt, ohne Verpackungs-Müll) | ~200 g | Blasenpflaster, Tape, Schmerzmittel, Antihistaminikum, Sonnencreme 30 ml. Mehr brauchst du nicht. |
| Sonstiges (Sitpad, Schnur, Karte/Backup, Müllbeutel) | ~80 g | Sitpad versteift den rahmenlosen Rucksack zusätzlich, doppelter Nutzen. |
Macht in Summe rund 4,3 kg Basisgewicht. Mit Wasser (1 L) und einem Tagesvorrat Essen (~500 g) bist du bei rund 6 kg auf dem Rücken. Mit zwei Tagesrationen für Etappen ohne Resupply (z.B. Forbach–Unterstmatt) bei knapp 7 kg. Das ist Mittelgebirgs-UL: kein Hardliner-Setup, sondern eines, das du nach zwölf Tagen immer noch ohne Schmerzen trägst.
Was bewusst nicht auf der Liste steht: ein zweites Paar Schuhe, ein dickes Reise-Handtuch, eine zweite Hose, ein klassisches Erste-Hilfe-Set in Plastikbox, ein 20-Liter-Trockensack, ein Multi-Tool, ein Kompass aus Messing. Das alles ist auf dem Westweg verzichtbar. Was bewusst drauf ist: eine Isolationsjacke (auch im Sommer), ein Wasserfilter (auch wenn die Pensionen alle 20 km Wasser haben), und Wechselsocken (zwei Paar, weil ein Paar fast immer feucht ist). Diese drei Dinge sind die häufigsten Streichkandidaten von „Spar-Tipps“ im Internet, und sie sind alle drei der Falsche-Stelle-Sparen-Reflex.
6 UL-Strategien speziell fürs Mittelgebirge
Die meisten UL-Tipps im Netz sind für Alpenüberquerungen oder Thru-Hikes geschrieben. Auf einem Mittelgebirgs-Trail wie dem Westweg gelten andere Hebel. Hier sind die sechs Strategien, die wir dir für deinen Westweg-Setup mitgeben.
Kein Rahmen, weniger Gewicht.
Bei Basisgewichten unter 5 kg und Tagesgesamtgewichten um 7 kg trägt sich ein rahmenloser Rucksack bequemer als jeder Aluminium-Rahmen. du sparst 600 bis 1.500 g allein durch die Rucksack-Wahl. Auf dem Westweg merkst du das spätestens nach Etappe drei, wenn die Schultern frei und nicht zerschunden sind.
Dichtes Hüttennetz für Resupply nutzen.
Anders als auf einem Thru-Hike musst du auf dem Westweg nie mehr als 2 Tage Verpflegung tragen. Hausach, Hinterzarten, Titisee und mehrere Pensionen entlang der Strecke haben Supermärkte oder Bäckereien. Plane bewusst kleine Verpflegungs-Loops, das spart 1 bis 2 kg im Rucksack über die gesamte Tour.
Trekkingstöcke optional, kein Pflichtgewicht.
Auf dem Westweg sind Stöcke nice-to-have, nicht überlebenswichtig. Wer kein Trekkingstockzelt nutzt, kann sie weglassen und 280 g sparen. Wer sie braucht (Knie-Versicherung, Zelt-Hardware), nimmt sie und nutzt sie tatsächlich, statt sie auf den Rucksack zu schnallen.
Wasser nicht horten.
Der Schwarzwald hat alle 1–2 Stunden eine Quelle, einen Bach oder einen Brunnen. Mehr als 1 Liter Wasser im Rucksack ist auf den meisten Etappen verschwendete Last. Filter mitnehmen, kurz vor dem Anstieg auffüllen, oben wieder leertrinken. Das macht 1 kg Unterschied gegenüber „4 Liter mitschleppen, sicherheitshalber“.
Quilt vor Schlafsack, auch im Mittelgebirge.
Der Reflex „Mittelgebirge ist warm, Sommerschlafsack reicht“ geht auf den Hochlagen schief. Stattdessen: Quilt mit Komforttemperatur 0–5 °C, kombiniert mit guter Isomatte (R-Wert ≥ 4). Sparst gegenüber einem Mumienschlafsack 150–250 g und schläfst bei jedem Wetter warm.
Pension-Tag bewusst einplanen.
Eine echte Pension-Übernachtung pro fünf Tage ist kein UL-Verrat. Sie spart dir Quilt-Restwärme, sie trocknet dein nasses Setup, sie gibt dir eine Dusche. Plane sie strategisch, nach den schwersten Etappen 3 (Forbach–Unterstmatt) und 9 (Hinterzarten–Feldberg-Pass).
Welcher Rucksack für den Westweg?
Wer schon eine UL-Affinität mitbringt, weiß die Antwort. Wer zum ersten Mal über einen Mehrtagestrail im Schwarzwald nachdenkt, hört das hier in der Regel zum ersten Mal: für den Westweg passt fast immer ein rahmenloser Rucksack zwischen 50 und 60 Litern besser als der klassische Trekkingrucksack mit 65 bis 75 Litern.
Unser Vorschlag, ehrlich und naheliegend: der Agilist 2026. 570 g Eigengewicht, 54 Liter Volumen, vollständig getapte Nähte aus Ultra 200X. Entwickelt im Schwarzwald, also rund 30 Kilometer Luftlinie vom Westweg-Korridor entfernt. Das Material kommt aus der Segel-Industrie (Challenge Sailcloth) und ist auf Salzwasser und UV ausgelegt, was ironischerweise perfekt mit Schwarzwald-Dauerregen zusammenarbeitet.
Wenn du auf dem Trail eine Naht aufreißt: kein Versand nach Übersee, sondern eine 30-km-Fahrt nach Emmendingen. Wir haben das Lab vor Ort, wir reparieren. Versand der Rucksäcke selbst kommt direkt aus DE, gefertigt wird in Vietnam in unserer High-Tech Ultralight Pack Manufaktur, einem 500-Stück-Batch in einem solar-betriebenen, BSCI-zertifizierten Werk. Die Kosteneinsparung gegenüber Manufaktur-Modellen geben wir an dich weiter (299 € statt vormals 319 €).
Anreise nach Pforzheim, Rückreise aus Basel
Beides ist denkbar einfach mit der Bahn. Pforzheim Hauptbahnhof liegt am ICE-/IC-Korridor Stuttgart–Karlsruhe und ist aus fast jedem deutschen Großraum in unter sechs Stunden erreichbar. Vom Bahnhof zum Westweg-Startpunkt am Marktplatz: 15 Minuten zu Fuß. Wer aus Süddeutschland kommt, ist sogar in unter drei Stunden vor Ort. Eine Tour mit Bahn-An- und -Abreise spart dir den Auto-Logistik-Albtraum (Auto in Pforzheim parken, am Ende mit der Bahn aus Basel zurück nach Pforzheim, das Auto holen, dann erst nach Hause), den die meisten Wanderführer höflich ignorieren.
Endpunkt ist Basel. Konkret: Basel SBB oder Basel Badischer Bahnhof, beide mit ICE-Anschluss zurück nach Deutschland. Auf dem letzten Etappenstück landest du erst in der Schweiz und dann wieder auf der DE-Seite, je nach Route. Pass mitnehmen ist sinnvoll, auch wenn die Grenzkontrollen meist nur eine Höflichkeitsfrage sind. Wer den Tag entspannt ausklingen lassen will: ein Bier am Rhein in Basel, dann mit dem Nachtzug zurück, das ist eine ehrliche Belohnung nach zwölf Tagen.
Wer im Schwarzwald übernachtet, bekommt in den meisten Pensionen automatisch die KONUS-Gästekarte: kostenlose Nutzung der lokalen Verkehrsmittel im gesamten Hochschwarzwald. Praktisch, wenn du eine Etappe abkürzen oder einen Ruhetag mit ÖPNV-Ausflug einlegen willst. Auch ein guter Plan B, wenn das Wetter eine Etappe komplett unhaltbar macht: Bahn nach Hinterzarten, Tag durchatmen, am nächsten Morgen wieder aufsteigen.
Häufige Fragen zum Westweg
Der Westweg lässt sich klassisch in 11 bis 13 Tagen gehen. Die häufigste Aufteilung ist 12 Etappen mit 14 bis 27 km pro Tag. Wer schneller unterwegs ist, kann in 10 Tagen ankommen, wer mehr Pausen will, plant 14. Zwei Wochen Urlaub reichen entspannt.
Mitte Mai bis Mitte Juni und Mitte September bis Anfang Oktober. Mai/Juni hat die längsten Tage und frisches Grün, der Frühherbst bringt stabileres Wetter und weniger Trubel. Der Hochsommer (Juli/August) ist gewitterträchtig und in den Pensionen voll.
Wildcampen ist in Baden-Württemberg im Wald nicht erlaubt, ein Biwak von einer Nacht wird in der Praxis meist toleriert, wenn keine Spuren bleiben. Offiziell zelten kannst du auf den Trekking-Camps Schwarzwald (5–10 € pro Person, online buchen) oder auf Campingplätzen entlang der Strecke.
Mit einem Basisgewicht unter 5 kg passt ein rahmenloser UL-Rucksack mit 50 bis 55 Litern Volumen perfekt. Der WeitLäufer Agilist 2026 mit 54 Litern und 570 g Eigengewicht ist genau für diesen Use Case entwickelt. Wer mit traditionellem Setup über 8 kg Basisgewicht unterwegs ist, braucht einen Rucksack mit Aluminium-Rahmen oder zumindest Carbon-Stäben.
Mit einer roten Raute auf weißem Grund, dem offiziellen Trail-Logo des Schwarzwaldverein seit 1900. Die Markierung ist lückenlos und auf den meisten Etappen ohne Karte oder GPS findbar. Trotzdem GPX vom Schwarzwaldverein als Backup auf dem Telefon, weil im Nebel und bei Sturm Markierungen schnell übersehen werden.
Mittelschwer. 285 km mit insgesamt rund 7.000 Höhenmetern Aufstieg, verteilt auf zwölf Etappen. Keine technisch anspruchsvollen Passagen, keine Klettersteige, aber zwölf Tage am Stück mit Gepäck verlangen Trail-Fitness. Wer regelmäßig Tagestouren mit Höhenmetern geht und einmal eine 5-Tages-Wanderung absolviert hat, schafft den Westweg.
Pforzheim Hauptbahnhof liegt am ICE-/IC-Korridor und ist aus jedem deutschen Großraum in unter sechs Stunden erreichbar. Endpunkt ist Basel SBB oder Basel Badischer Bahnhof, beide mit ICE-Anschluss zurück nach Deutschland. Pass für die Schweizer Grenze mitnehmen.
Ab Titisee teilt sich der Trail. Die Westvariante geht über Feldberg, Belchen und Blauen, sie ist höher, aussichtsreicher und beliebter. Die Ostvariante über Herzogenhorn und Dinkelberg ist landschaftlich ruhiger und etwa 5 km länger. Wenn du nicht aktiv abwägst, nimm die Westvariante. Sie hat die Hochlagen, die den Westweg-Charakter ausmachen.
Nächster Schritt: dein Setup zusammenstellen
Der Westweg ist nicht der spektakulärste Trail in Europa. Er ist nicht der schwerste und nicht der berühmteste. Aber er ist 285 Kilometer Schwarzwald, gut erreichbar, gut markiert, gut versorgt, und er ist der naheliegendste Trail in Deutschland, um zu lernen, wie sich UL-Trekking wirklich anfühlt.
Wenn du beim Rucksack noch nach der richtigen Lösung suchst: der Agilist ist unser Vorschlag für alle, die mit unter 5 kg Basisgewicht starten wollen, ohne Kompromisse bei Wetterschutz und Tragekomfort. 570 g, getapte Nähte, Ultra 200X, entwickelt im Schwarzwald.
Wenn du tiefer einsteigen willst: unsere Ultraleicht-Packliste zeigt das volle 3-Jahreszeiten-Setup, der Ultraleicht-Trekking-Guide erklärt die Grundlagen, und unter Wanderausrüstung findest du die Kategorien-Übersicht. Wer den Schritt von Mittelgebirge auf Hochgebirge plant, geht weiter zur Alpenüberquerung.


