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Tour du Mont Blanc: Etappen, Refuges & Packliste

170 Kilometer, drei Länder, rund 10.000 Höhenmeter und der höchste Berg der Alpen ständig in Blickweite: die Tour du Mont Blanc ist der vielleicht berühmteste Rundwanderweg Europas. Hier bekommst du alle Etappen mit echten Zahlen, die Reservierungs-Logik der Refuges und eine Packliste, die dich leicht über die Pässe trägt, egal ob mit Hütte oder Zelt.

Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: Juni 2026
Von Alex
WeitLäufer Lab, Emmendingen
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Inhaltsverzeichnis

Die Tour du Mont Blanc ist die Rundwanderung, an der sich in den Alpen alles andere messen lassen muss: rund 170 Kilometer in einem großen Bogen um das Mont-Blanc-Massiv, durch Frankreich, Italien und die Schweiz, mit etwa 10.000 Höhenmetern im Auf- und genauso vielen im Abstieg. Du umrundest dabei den höchsten Berg der Alpen einmal komplett und siehst ihn dabei aus jeder denkbaren Perspektive: von den sanften französischen Almen über die schroffe italienische Südseite bis zu den Schweizer Gletschertälern.

Die gute Nachricht für alle, die leicht unterwegs sein wollen: Du hast die Wahl. Entweder du gehst von Refuge zu Refuge, dann übernehmen die Hütten Bett und Küche und dein Rucksack bleibt klein. Oder du nimmst Zelt und Schlafsystem mit und wirst unabhängig. Beide Wege funktionieren, und beide stellen ganz unterschiedliche Ansprüche an dein Gepäck. Genau darum geht es in diesem Guide neben den nackten Etappendaten.

Du bekommst alle Etappen mit verifizierten Eckdaten, die Reservierungs-Logik der Refuges (der Punkt, an dem die meisten Planungen scheitern), eine ehrliche Einordnung der Schwierigkeit und zwei Packlisten-Szenarien, mit denen du leicht über die Pässe kommst.

Die Tour du Mont Blanc im Überblick

Die wichtigsten Eckdaten, bevor wir in die Etappen gehen:

Tour du Mont Blanc in Zahlen

Eckdaten Wert
Distanz (Standardrunde) ~170 km
Höhenmeter Aufstieg ~10.000 m
Höhenmeter Abstieg ~10.000 m (Rundweg)
Etappen (klassisch) 11
Dauer je nach Tempo 7 bis 11 Tage
Länder Frankreich, Italien, Schweiz
Höchster Punkt (Standardroute) Grand Col Ferret, 2.537 m
Start/Ende Les Houches (oder Chamonix)
Saison Mitte Juni bis ~20. September

Der Weg ist ein Rundkurs, du startest und endest also am selben Ort, klassischerweise in Les Houches im Tal von Chamonix. Weil es eine Runde ist, gibt es keinen „Gipfel“ im Wortsinn: der höchste begangene Punkt der Standardroute ist mit dem Grand Col Ferret auf 2.537 Metern ein Pass, kein Berg. Den Mont Blanc selbst (4.806 m) besteigst du nicht, du wanderst um ihn herum. Genau das macht die Tour so zugänglich: Sie ist anspruchsvoll, aber sie verlangt keine Hochtouren-Ausrüstung und keinen Gletscherkontakt.

Die Etappen der Tour du Mont Blanc

Die klassische Variante teilt die Runde in 11 Etappen, gegen den Uhrzeigersinn ab Les Houches. Distanz und Höhenmeter pro Tag schwanken je nach gewählter Variante und Übernachtungsort teils deutlich, deshalb steht hier statt scheingenauer Einzelwerte die Gehzeit plus der prägende Charakter jeder Etappe:

Tour du Mont Blanc: die 11 Etappen im Überblick

Etappe Gehzeit Charakter / Schlüsselstelle
1. Les Houches → Les Contamines ~5,5 h Sanfter Auftakt über den Col de Voza, gut zum Eingehen.
2. Les Contamines → Refuge de la Croix du Bonhomme ~5 bis 6 h Erster langer Anstieg über Col du Bonhomme (2.329 m) und Col de la Croix du Bonhomme (2.479 m).
3. Croix du Bonhomme → Rifugio Elisabetta ~5 bis 6 h Über den Col de la Seigne (2.516 m) nach Italien, erste große Massiv-Südseite.
4. Rifugio Elisabetta → Courmayeur ~6 bis 7 h Balkonweg mit Blick auf die italienischen Gletscher, langer Abstieg nach Courmayeur.
5. Courmayeur → Rifugio Bonatti / Val Ferret ~7 bis 8 h Lange Etappe, die schönste Aussicht auf die Grandes Jorasses.
6. Rifugio Bonatti → La Fouly ~6 h Über den Grand Col Ferret (2.537 m), höchster Punkt, Grenze in die Schweiz.
7. La Fouly → Champex ~4 h Ruhiger Taltag durchs Val Ferret, gute Gelegenheit für eine kurze Etappe.
8. Champex → Trient ~7 bis 9 h Wahl: anspruchsvolle Fenêtre d’Arpette (~2.665 m) oder die einfachere Bovine-Route.
9. Trient → Tré-le-Champ ~5 h Über den Col de Balme (2.191 m) zurück nach Frankreich, Mont Blanc wieder im Blick.
10. Tré-le-Champ → La Flégère ~5 h Leitern und seilversicherte Stellen Richtung Lac Blanc, der schönste Balkon der Tour.
11. La Flégère → Les Houches ~5 bis 6 h Höhenweg über Le Brévent, Schlussabstieg ins Tal.

Welche Richtung, und warum gegen den Uhrzeigersinn?

Die große Mehrheit geht die Runde gegen den Uhrzeigersinn, also ab Les Houches Richtung Les Contamines. Das hat einen praktischen Grund: Du läufst so meistens mit der Sonne im Rücken statt im Gesicht, die Anstiege verteilen sich gnädiger, und du triffst seltener auf den Gegenverkehr der Trailrunner und Etappen-Gruppen. Im Uhrzeigersinn ist die Runde genauso machbar, du bist dann nur öfter allein unterwegs und musst ein paar Höhenmeter anders einteilen.

Varianten: Fenêtre d’Arpette oder Bovine

Die berühmteste Entscheidung auf der Tour fällt zwischen Champex und Trient. Die Fenêtre d’Arpette führt auf rund 2.665 Meter, das ist der höchste Punkt, den du auf der ganzen Runde erreichen kannst, mit direktem Blick auf den Trient-Gletscher. Der Preis: ein steiler, teils blockiger Auf- und Abstieg, der bei Nässe oder Restschnee ernst wird. Die Bovine-Route ist die wettersichere und konditionell freundlichere Alternative über Almen. Beide enden in Trient. Wer fit ist und gutes Wetter erwischt, nimmt die Fenêtre, alle anderen fahren mit Bovine gut.

Die Schlüsselstellen

Technisch ist die Tour ein Bergwanderweg, kein Klettersteig. Die einzigen Stellen, an denen du wirklich die Hände brauchst, sind die Leitern und seilversicherten Passagen oberhalb von Tré-le-Champ auf dem Weg zum Lac Blanc (Etappe 10). Sie sind gut gesichert, aber ausgesetzt, wer mit Höhenangst kämpft, sollte das wissen. Wem die Leitern zu viel sind, nimmt die tiefer gelegene Umgehung. Ansonsten gilt: solide Trittsicherheit reicht, Gletscherausrüstung brauchst du nirgends.

Der Col de la Seigne auf 2.516 m, Grenze zwischen Frankreich und Italien. Hier wechselt die Tour von den sanften französischen Almen auf die schroffe Südseite des Massivs.
Der Col de la Seigne auf 2.516 m, Grenze zwischen Frankreich und Italien. Hier wechselt die Tour von den sanften französischen Almen auf die schroffe Südseite des Massivs.

Refuge oder Zelt? Die Entscheidung, die alles ändert

Anders als bei einer reinen Hüttentour hast du auf dieser Runde echte Wahl, und sie bestimmt mehr als jede andere, wie schwer dein Rucksack wird. Beide Varianten haben ihre Berechtigung.

Die Refuge-Variante ist der Klassiker. Entlang der Runde liegen Berghütten und Gîtes in praktischen Abständen, fast alle mit Halbpension. Du trägst dann kein Zelt, keinen Schlafsack (ein leichter Hüttenschlafsack genügt) und keinen Kocher. Dein Basisgewicht bleibt damit unter dem einer normalen Hüttentour, du bist abends warm und satt, und du sparst dir jedes Gramm Schlafsystem. Der Haken: Du bist an die Reservierung gebunden und damit unflexibel, dazu gleich mehr.

Die Zelt-Variante macht dich unabhängig. Du übernachtest auf Campingplätzen und designierten Biwakzonen entlang der Route und entscheidest spontaner, wie weit du gehst. Der Preis ist Gewicht und Volumen: Shelter, Schlafsack, Isomatte und Kocher kommen dazu, schnell 2 bis 3 Kilo mehr. Wildzelten ist rund um den Mont Blanc übrigens kein rechtsfreier Raum: Die Regeln unterscheiden sich je Land und sind teils streng (in der Schweiz am restriktivsten). Halte dich an offizielle Plätze und Biwakzonen, dann bist du auf der sicheren Seite.

Refuges reservieren: früh oder gar nicht

Wenn du einen Satz aus diesem Guide mitnimmst, dann diesen: Die Tour entscheidet sich an der Refuge-Reservierung, nicht am Trail. Die Hütten entlang der Runde gehören zu den begehrtesten der Alpen, und sie sind klein. Viele Refuges öffnen die Buchung für die kommende Sommersaison bereits im Spätherbst des Vorjahres, und die populärsten sind dann innerhalb von Tagen, manchmal Stunden ausgebucht.

Praktisch heißt das: Wer im Juli oder August gehen will, plant idealerweise im Herbst davor. Du legst zuerst deine Etappen und damit die Übernachtungsorte fest und buchst dann die komplette Kette durch. Eine einzige nicht bekommene Hütte kann deine ganze Etappeneinteilung kippen, weil die Abstände zwischen den Refuges nicht beliebig sind.

Zum Budget: Eine Übernachtung mit Halbpension im Mehrbettlager liegt je nach Hütte und Land grob bei 60 bis 80 €, in komfortableren Gîtes auch darüber. Über sieben bis zehn Nächte plus Getränke, Mittagspausen und Transfers summiert sich die Tour schnell. Die Zelt-Variante ist deutlich günstiger, kostet dich aber Gewicht. In der Schweiz brauchst du außerdem Franken, nicht überall wird Karte genommen.

Wie schwer ist die Tour du Mont Blanc wirklich?

Die ehrliche Antwort: technisch moderat, konditionell happig. Auf den meisten Etappen bewegst du dich auf gut markierten Bergwanderwegen ohne nennenswerte Kletterei, mit der Leiter-Passage bei Tré-le-Champ und der optionalen Fenêtre d’Arpette als einzigen echten Schlüsselstellen. Trittsicherheit reicht, ein Klettersteigset oder Steigeisen brauchst du nicht.

Die Herausforderung liegt woanders: in der Summe. Rund 10.000 Höhenmeter im Aufstieg über sieben bis elf Tage bedeuten jeden Tag aufs Neue 700 bis über 1.000 Höhenmeter hinauf und genauso viele wieder hinunter, oft bei langen Gehzeiten von sechs bis acht Stunden. Das ist kein einzelner Kraftakt, sondern Ausdauer Tag für Tag. Wer regelmäßig mit Tagesrucksack in den Bergen unterwegs ist, schafft das, vorausgesetzt, der Rucksack auf dem mehrtägigen Trail bleibt leicht.

Und genau hier wird Gewicht zum echten Faktor. Über 10.000 Höhenmeter ist jedes gesparte Kilo kein Komfortgewinn, sondern spart dir messbar Kraft, die du am achten Tag noch brauchst. Ein leichter Rucksack ist auf dieser Tour kein Luxus für UL-Nerds, sondern die einfachste Stellschraube, mit der auch konditionell durchschnittliche Wanderer die Runde genießen statt überstehen.

Die beste Zeit für die Tour du Mont Blanc

Das Saisonfenster ist klar umrissen: Die meisten Refuges öffnen Mitte Juni und schließen um den 20. September. Außerhalb dieser Zeit sind die Hütten zu, die hohen Pässe können verschneit sein, und die Tour wird zu einem ganz anderen, alpineren Unternehmen.

Innerhalb des Fensters gilt: Juli und August sind am verlässlichsten schneefrei und warm, dafür am vollsten, und gerade während des UTMB-Trailrunning-Events Ende August wird es entlang der Route eng. Anfang Juli kann an den Nordseiten der hohen Pässe noch Altschnee liegen. Anfang bis Mitte September ist für viele der Sweet Spot: stabilere Wetterlagen, klarere Fernsicht, weniger Andrang, dafür kürzere Tage und die ersten Hütten, die schließen. Egal wann du gehst, in dieser Höhe sind Nachmittagsgewitter und ein Wettersturz auch im Hochsommer jederzeit möglich. Starte früh, sei mittags über die exponierten Pässe hinweg, und hab die Regenjacke immer griffbereit.

Packliste: leicht um den Mont Blanc

Hier der Teil, bei dem wir als Hersteller naturgemäß am meisten mitreden. Weil die Tour zwei Übernachtungs-Modi kennt, gibt es nicht die eine Packliste. Die Basis ist aber identisch, und sie ist erstaunlich schlank. Getragene Kleidung, Schuhe und Stöcke zählen nicht mit, die hast du am Körper.

TMB-Packliste: das Kern-Setup (beide Varianten)
Σ ~3,2 kg

Gegenstand Gewicht Hersteller-Kommentar
WeitLäufer Agilist (2026, Größe M) 570 g Getapte Nähte: Regenhülle und Pack Liner kannst du streichen.
Regenjacke (2,5-Lagen-Laminat) ~180 g An den Pässen Pflicht, Wetterstürze kommen schnell.
Regenhose (leicht) ~120 g Bei langen exponierten Querungen wertvoller als auf einer Hüttentour.
Isolationsjacke (Daune oder Kunstfaser) ~250 g Für die kalten Morgen an den Cols und die Abende auf 2.500 m.
Wechselshirt (Merino) + 2 Paar Socken ~240 g Über elf Tage ist Funktionswäsche wichtiger als Menge.
Mütze + dünne Handschuhe + Buff ~110 g Auf 2.500 m kann es auch im August nahe null Grad sein.
Sonnenschutz (Brille, Creme LSF 50, Lippen) ~120 g Drei Länder, viel offenes Hochgebirge, viel UV.
Erste Hilfe + Blasenpflaster + Hygiene/Kosmetik ~250 g Blasenpflaster großzügig, der Rest konsequent ausgemistet.
Stirnlampe ~28 g Für frühe Starts vor den langen Etappen.
Powerbank 10.000 mAh + Kabel ~195 g Steckdosen sind auf Refuges Mangelware und umkämpft.
Wasserfilter + 2 Flaschen à 1 L ~115 g Quellen und Brunnen gibt es reichlich, so sparst du teures Hüttenwasser.
Snacks/Notverpflegung pro Tag ~400 g Zwischen den Talorten gibt es lange keine Einkehr.
Doku (Pass, Karte/App, Bargeld in € und CHF) ~150 g Drei Länder, drei mögliche Zahlungssituationen.

Bis hierher bist du bei rund 3,2 Kilo auf dem Rücken, Wasser und Tagessnack eingerechnet. Was jetzt noch dazukommt, hängt allein davon ab, wo du schläfst.

Die Refuge-Variante: was wirklich reicht

Wenn du jede Nacht in einer Hütte oder einem Gîte verbringst, ist deine Packliste fast fertig. Es fehlt nur ein leichter Hüttenschlafsack aus Seide (~110 g, auf vielen Refuges ohnehin Pflicht) und ein kleines Mikrofaser-Handtuch. Mehr nicht. Kein Zelt, kein dicker Schlafsack, kein Kocher, denn Halbpension heißt warmes Abendessen und Frühstück inklusive. Damit bleibst du klar unter 4 Kilo Gesamtgewicht und trägst über elf Tage kaum mehr als auf einer Tagestour. Wer zum ersten Mal eine mehrtägige Runde so leicht geht, traut dem Rucksack auf dem Rücken anfangs kaum.

Die Zelt-Variante: das Schlafsystem obendrauf

Willst du unabhängig von Reservierungen sein, kommt das komplette Schlaf- und Kochsystem dazu. Hier sitzt das gesamte Mehrgewicht, und genau hier entscheidet sich, ob aus „mit Zelt“ sechs oder zehn Kilo werden. Mit konsequent leichtem Gear bleibt der Aufschlag überschaubar:

Zelt-Variante: das Schlafsystem
Σ ~2,8 kg

Gegenstand Gewicht Hersteller-Kommentar
UL-Zelt (1 Person, Trekkingstangen-Aufbau) ~900 g Nutzt deine Wanderstöcke statt separater Zeltstangen, das spart Gewicht und Packmaß.
Schlafsack oder Quilt (Daune, Komfort um 0 °C) ~650 g Auf 2.000 m wird auch die Sommernacht kühl, etwas Reserve zahlt sich aus.
Isomatte (aufblasbar, R-Wert ~4) ~420 g Der R-Wert hält dich warm, nicht die Dicke allein.
Kochsystem (Gaskocher, Topf, Kartusche, Spork) ~430 g Reicht zum Wasserkochen, mehr braucht es unterwegs nicht.
Zusatz-Verpflegung für Selbstversorger-Tage ~400 g Ohne Halbpension trägst du Frühstück und Abendessen selbst.

Unterm Strich stehen sich die beiden Wege so gegenüber:

Gesamtgewicht: Refuge-Variante

Posten Gewicht
Kern-Setup inkl. Rucksack, Wasser, Tagessnack ~3,2 kg
Refuge-Zusatz (Hüttenschlafsack + Handtuch) ~0,2 kg
REFUGE-VARIANTE GESAMT ~3,4 kg

Mit Zelt landest du also bei rund 6 Kilo auf dem Rücken, mit Refuge unter 3,5. Beides ist weit entfernt von den 12 bis 15 Kilo, mit denen viele die Runde antreten. Über 10.000 Höhenmeter ist das der Unterschied zwischen einer Runde, die du genießt, und einer, die du dir abkämpfst.

Gesamtgewicht: Zelt-Variante

Posten Gewicht
Kern-Setup inkl. Rucksack, Wasser, Tagessnack ~3,2 kg
Schlafsystem (Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kochsystem, Verpflegung) ~2,8 kg
ZELT-VARIANTE GESAMT ~6,0 kg

Unterwegs mit kompletter Zelt Ausrüstung im AGILIST 2026
Unterwegs mit kompletter Zelt Ausrüstung im AGILIST 2026

Worauf es beim Packen für diese Runde besonders ankommt

Drei Dinge unterscheiden die Tour du Mont Blanc von einer normalen Alpentour, und alle drei haben Folgen für die Packliste. Erstens das Wetter-Spektrum an einem einzigen Tag: Du startest morgens kühl im Tal, schwitzt mittags auf der sonnigen italienischen Südseite und stehst eine Stunde später im Wind auf einem 2.500er Pass. Setze deshalb auf ein konsequentes Schichtsystem aus dünnen Lagen statt auf einzelne dicke Teile, so reagierst du in Minuten statt im Tal umzupacken. Genau dafür sind Regenjacke, Regenhose, Isolationsjacke und Merino-Shirt in der Kern-Tabelle aufeinander abgestimmt.

Zweitens die Länge: Über elf Tage zählt nicht, wie viel du dabeihast, sondern wie wenig. Jedes Teil, das du nur „vielleicht“ brauchst, trägst du 170 Kilometer und 10.000 Höhenmeter weit umsonst. Die ehrlichste Frage beim Packen lautet deshalb nicht „Könnte ich das gebrauchen?“, sondern „Würde ich es vermissen, wenn es fehlt?“. Drittes Reservehemd, zweite Hose, der dicke Kulturbeutel: Das bleibt zu Hause. Drittens das Wasser: Quellen, Brunnen und Refuges entlang der Route liefern reichlich nach, zwei Liter Kapazität plus Filter genügen. Drei oder vier Liter am Stück durch die Gegend zu tragen ist hier verschenktes Gewicht.

Ein letzter, banaler, aber wirksamer Tipp: Wiege dein komplettes Setup einmal zu Hause auf einer Küchenwaage und trag es in eine Gewichts-App wie Lighterpack ein, am besten in zwei Listen für die Refuge- und die Zelt-Variante. Erst wenn du schwarz auf weiß siehst, dass dein „leichtes“ Handtuch 180 g wiegt, kannst du informiert entscheiden, was wirklich mitkommt. Das ist der schnellste Weg von gefühlt leicht zu nachweisbar leicht.

Anreise und Drei-Länder-Logistik

Der klassische Anreiseweg führt über Genf. Vom Flughafen oder Bahnhof Genf bringen dich Shuttle-Busse und Sammeltransfers in rund einer bis anderthalb Stunden direkt nach Les Houches oder Chamonix. Mit der Bahn reist du über Genf und das Mont-Blanc-Express-Bähnchen ins Tal von Chamonix an. Ein Auto brauchst du für die Tour nicht und es wäre eher hinderlich, weil du als Rundwanderung ohnehin wieder am Start ankommst.

Unterwegs überschreitest du dreimal eine Landesgrenze, ohne Kontrolle, aber mit praktischen Folgen: In der Schweiz zahlst du in Franken, und das Mobilfunknetz wechselt, was bei Roaming-Tarifen ins Geld gehen kann. Pack deinen Personalausweis ein, lade dir die Offline-Karten für alle drei Länder vorab herunter, und hab etwas Bargeld in beiden Währungen dabei.

Häufige Fragen zur Tour du Mont Blanc

Die Standardrunde ist rund 170 Kilometer lang und überwindet etwa 10.000 Höhenmeter im Aufstieg und genauso viele im Abstieg, da es sich um einen Rundweg handelt. Komprimierte geführte Varianten mit Transfers verkürzen das auf etwa 130 Kilometer.

Die klassische Einteilung umfasst 11 Etappen. Je nach Tempo und gewählten Varianten gehen die meisten die Runde in 7 bis 11 Tagen. Trailrunner schaffen sie in wenigen Tagen, wer Zeit und Gipfel-Abstecher will, plant mehr ein.

Technisch ist die Tour ein Bergwanderweg ohne Gletscher und ohne Klettersteig, nur die Leitern bei Tré-le-Champ und die optionale Fenêtre d’Arpette sind ausgesetzt. Konditionell ist sie anspruchsvoll: rund 10.000 Höhenmeter über sieben bis elf Tage verlangen gute Ausdauer.

Die Refuges öffnen meist Mitte Juni und schließen um den 20. September. Juli und August sind am verlässlichsten schneefrei, aber am vollsten. Anfang bis Mitte September bietet oft stabileres Wetter und weniger Andrang, dafür kürzere Tage.

Ja, unbedingt und sehr früh. Viele Hütten öffnen die Buchung für die Sommersaison schon im Spätherbst des Vorjahres und sind binnen Tagen ausgebucht. Viele Refuges lassen sich zentral über autourdumontblanc.com buchen.

Beides ist möglich. Die Refuge-Variante hält den Rucksack leicht (kein Schlafsystem) und ist komfortabler, bindet dich aber an Reservierungen. Die Zelt-Variante macht dich unabhängig und ist günstiger, kostet aber 2 bis 3 Kilo mehr Gepäck. Wildzelten ist je nach Land unterschiedlich geregelt, halte dich an offizielle Plätze und Biwakzonen.

Für die Refuge-Variante reichen 30 bis 40 Liter locker, da Zelt und Schlafsack entfallen. Für die Zelt-Variante mit komplettem Schlafsystem solltest du eher 45 bis 55 Liter einplanen. Wichtiger als das Volumen ist das Gewicht: Mit einer konsequenten Packliste bleibst du als Refuge-Geher unter 3,5 und mit Zelt um 6 Kilo.

Nächster Schritt: deine Runde planen

Du hast jetzt alles, was du für die Planung brauchst: die Etappen, die entscheidende Refuge-Logik, das Saisonfenster und zwei Packlisten-Szenarien. Der wichtigste nächste Schritt ist nicht der Trail, sondern der Kalender: Lege deinen Zeitraum fest, entscheide dich für Refuge oder Zelt, und sichere dir, falls Hütte, so früh wie möglich die Übernachtungen. Alles andere ergibt sich daraus.

Und falls dein aktueller Rucksack eher Pauschalreise als Pass kann: der Agilist ist unser Vorschlag für genau diese Art von Tour. 570 g, vollständig getapte Nähte, klein gerollt das kompakte Refuge-Format und voll ausgepackt genug Volumen für die komplette Zelt-Variante. Ein Rucksack für beide Wege um den Mont Blanc.