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E5 Alpenüberquerung Oberstdorf Meran: Etappen und Hütten

E5 Alpenüberquerung heißt: in sechs Tagen von Oberstdorf nach Meran, über das Mädelejoch, die Seescharte, das Pitztaler Jöchl und zuletzt das Niederjoch auf 3.019 Metern, wo du morgens Reif auf dem Geröll hast und abends in Meran unter Palmen sitzt. Hier bekommst du alle Etappen mit Karte und Höhenprofil, die Hütten mit Preisen 2026 und Buchungsfristen, eine ehrliche Kostenrechnung und eine Packliste unter drei Kilo Basisgewicht, mit der die 6.500 Höhenmeter Abstieg deine Knie nicht ruinieren.

— Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
Von Alex
WeitLäufer Lab, Emmendingen
E5 Alpenüberquerung Wandern
E5 Alpenüberquerung Wandern
Inhaltsverzeichnis

Die E5 Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran ist die Alpenüberquerung, die gemeint ist, wenn jemand einfach nur „über die Alpen“ sagt: sechs Gehtage, vier Gebirgsgruppen, drei Länder, gut 100 Kilometer zu Fuß und am Ende ein Cappuccino unter Palmen. Du startest im Allgäu bei 813 Metern, überschreitest die Lechtaler und die Ötztaler Alpen und steigst am Niederjoch auf 3.019 Metern nach Südtirol ab. Der Fernwanderweg E5 selbst ist viel länger, er beginnt an der bretonischen Atlantikküste und endet in Verona[1]. Berühmt geworden ist aber genau dieses Teilstück.

Berühmt heißt auch: voll. Die Hütten am E5 sind im Juli und August Monate im Voraus ausgebucht, die Bergschulen schicken jede Woche Gruppen los, und am Pitztaler Jöchl stehst du an schönen Tagen in einer Kolonne. Trotzdem lohnt sich der Weg, wenn du ihn richtig anpackst: früh buchen, unter der Woche starten, das Wetterfenster nutzen und vor allem leicht gehen. Denn die Zahl, die diese Tour prägt, steht selten im Prospekt: rund 6.500 Höhenmeter Abstieg[2], davon 1.900 an einem einzigen Vormittag durchs Zammer Loch.

Ich bin zweimal zu Fuß über die Alpen, 2014 auf dem Traumpfad München-Venedig mit knapp zehn Kilo auf dem Rücken und 2017 von Wien nach Nizza mit 4,3 Kilo Basisgewicht inklusive Zelt. Den E5 kenne ich von kürzeren Touren, nicht als Ganzes am Stück, dafür Meran als Ankunftsort im Hochsommer 2017 nach 800 Kilometern von Osten her. Aus dieser Erfahrung und aus dem, was wir als Rucksackhersteller täglich über Gewicht lernen, ist dieser Guide gebaut. Er ist der Etappen-Spoke unseres Pillars zur Alpenüberquerung zu Fuß.

Die E5 Alpenüberquerung im Überblick

Die Kennzahlen vorweg, damit du weißt, worauf du dich einlässt:

E5 Alpenüberquerung in Zahlen

Kennzahl Wert Kommentar
Gehstrecke ~104 km Klassische Variante mit Bus, Taxi und Lift an den üblichen Stellen. Wer alles läuft, kommt auf 130 bis 160 km[2]
Höhenmeter ~5.000 auf, ~6.500 ab Der Abstieg ist das Thema dieser Tour, siehe unten
Etappen 6 Plus Rückreisetag. Sportlich in 5, entspannt mit Similaunhütte-Nacht in 7
Höchster Punkt 3.019 m Niederjoch mit der Similaunhütte, Grenze Tirol/Südtirol
Weitere Pässe 4 Mädelejoch 1.974 m, Seescharte 2.599 m, Wannejöchl ~2.500 m, Pitztaler Jöchl 2.996 m
Schwierigkeit T2 bis T3 Bergwanderweg, einzelne seilgesicherte Stellen, Schneefelder bis in den Juli möglich
Übernachtung Hütten Alpenvereinshütten plus Skihütte Zams und die private Similaunhütte, alle mit Halbpension
Saison Mitte Juni bis Ende September Bestes Fenster Mitte Juli bis Mitte September
Start und Ziel Oberstdorf, Meran Beide mit Bahnanschluss, Rückfahrt per Bus 5 bis 6 Stunden

Ein Punkt, der Neulinge oft irritiert: Auf dem E5 fährst du zwischendurch Bus, Taxi und Seilbahn, und das ist kein Schummeln. Die Talstrecken im Lechtal, im Pitztal und im Ötztal sind Asphalt, die Bergschulen lassen sie seit den 1970er-Jahren aus, und die Hütten sind entsprechend getaktet. Was du zu Fuß gehst, sind die Übergänge, und die haben es in sich. Wer die Transfers weglässt, hängt zwei Tage Straße dran und gewinnt nichts außer Blasen.

Noch eine Feinheit für die Genauen: Die offizielle Linie des E5 verlässt das Ötztal über das Timmelsjoch ins Passeiertal und erreicht Meran über den Hirzer[3]. Die Route über Vent, die Martin-Busch-Hütte und das Niederjoch ist die Variante, die die Bergschulen etabliert haben und die heute fast alle gehen. Sie ist höher, spektakulärer und einen Tag kürzer. In diesem Guide geht es um diese klassische Variante.

Die 6 Etappen von Oberstdorf nach Meran

Die Etappeneinteilung folgt dem Rhythmus der Hütten. Es gibt kaum Alternativen dazwischen, deshalb ist die Kette unten bei fast allen Gruppen und Selbstgehern identisch. Die Karte zeigt die Gehstrecke in Kupfer, die Transfers gestrichelt und die Originalroute über das Timmelsjoch in Grau.

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Streckenverlauf und Höhenprofil der E5 Alpenüberquerung: Gehstrecke in Kupfer mit den sechs Etappen, Transfers per Bus, Taxi und Lift gepunktet, die Originalroute über das Timmelsjoch grau gestrichelt. Höhenprofil aus dem Geländemodell entlang des OSM-Tracks, x-Achse sind Gehkilometer; die belegten Kennzahlen stehen in der Tabelle. Track: © OpenStreetMap-Mitwirkende · Relief: Mapzen/AWS Terrain Tiles · Gewässer: © OpenStreetMap-Mitwirkende.

Alpenüberquerung Oberstdorf Meran: die 6 Etappen

Etappe Gehzeit Zahlen und Charakter
1. Oberstdorf → Kemptner Hütte ~3 h (ab Spielmannsau) ~6 km, ~870 hm auf. Durchs Sperrbachtobel, kurzer Einstieg. Ab Bahnhof Oberstdorf zu Fuß sind es 13 km und 5 h.
2. Kemptner Hütte → Memminger Hütte ~6 h ~14,5 km, ~1.030 hm auf, ~990 hm ab. Über das Mädelejoch (1.974 m) nach Holzgau, Taxi nach Madau, dann 800 hm hinauf zur Memminger Hütte.
3. Memminger Hütte → Zams 6 bis 7 h ~13,5 km, ~490 hm auf, ~1.900 hm ab. Seescharte (2.599 m), dann das Zammer Loch bis ins Inntal auf 767 m.
4. Zams → Braunschweiger Hütte 7 bis 8 h ~15 km, ~1.400 hm auf, ~1.400 hm ab. Lift auf den Krahberg, Glanderspitze (2.512 m), Abstieg nach Wenns, Bus nach Mittelberg, 1.000 hm hinauf zur Braunschweiger Hütte (2.759 m).
5. Braunschweiger Hütte → Martin-Busch-Hütte 7 bis 8 h ~20 km, ~1.000 hm auf, ~1.350 hm ab. Pitztaler Jöchl (2.996 m), Abstieg zum Rettenbachferner, Bus über Sölden nach Vent, Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte (2.501 m).
6. Martin-Busch-Hütte → Meran 4 bis 5 h ~10 km, ~520 hm auf, ~1.320 hm ab. Niederjoch und Similaunhütte (3.019 m), Abstieg nach Vernagt, Bus durchs Schnalstal nach Meran (325 m).

Die Werte sind gerundet und aus den Tagesplänen der Alpinschule Oberstdorf, des DAV Summit Club und des Tourismusverbands Oberstdorf abgeglichen. Je nach Startpunkt, Variante am Rettenbachjoch und Abstiegsweg schwanken sie um ein paar Hundert Höhenmeter. Was sich nicht ändert: Vier von sechs Tagen enden auf über 2.200 Metern.

Etappe 1: Sperrbachtobel und Kemptner Hütte

Der erste Tag ist kurz, und das ist gut so. Vom Bahnhof Oberstdorf bringt dich der Linienbus nach Spielmannsau, von dort führt der Weg durch das Sperrbachtobel, eine enge Schlucht mit Holzstegen und ein paar Drahtseilen, bevor sich das Tal weitet und die Kemptner Hütte auf 1.846 Metern auftaucht. 290 Schlafplätze, seit 1891 an dieser Stelle, kein Handynetz, keine Steckdose im Zimmer. Die Hütte nennt sich auf ihrer Website ausdrücklich eine Schutzhütte für Wanderer und kein Hotel, und genau so fühlt sie sich an.

Etappe 2: Mädelejoch, Lechtal und Memminger Hütte

Kurz nach der Hütte liegt das Mädelejoch, mit 1.974 Metern der niedrigste Übergang der Tour und zugleich die Grenze nach Österreich. Dann geht es 900 Meter hinab nach Holzgau im Lechtal. Ab hier fahren die meisten mit dem Linientaxi über Bach nach Madau zum Parkplatz der Memminger Hütte, das spart 14 Kilometer Asphalt. Der Aufstieg von dort ist der eigentliche Tag: 800 Höhenmeter durch das Madautal zur Memminger Hütte auf 2.242 Metern, mit 145 Schlafplätzen der Knotenpunkt der Lechtaler Alpen und die Hütte, die am schnellsten voll ist.

Etappe 3: Seescharte und Zammer Loch

Der Tag, über den alle reden. Zuerst 350 Höhenmeter hinauf zur Seescharte auf 2.599 Metern, ein schmaler Einschnitt, an dessen Nordseite bis in den Juli Altschnee liegen kann. Dann beginnt der längste Abstieg der Tour: 1.900 Höhenmeter durch das Zammer Loch, vorbei an der Oberlochalm und der bewirtschafteten Unterlochalm, bis nach Zams im Inntal. Das Tal ist wunderschön und die Knie sind am Ende trotzdem durch. Übernachtet wird im Tal oder, wenn du noch Kraft hast, auf der Skihütte Zams am Venet auf 1.780 Metern.

Für 2026 gibt es hier zwei Änderungen: Wegen einer Autobahnbaustelle endet der Abstieg über einen neu markierten Weg beim Schotterwerk, von dort fährt ein Shuttle für 2 Euro ins Zentrum und zur Rifenalbahn. Und die Venetbahn selbst wird neu gebaut, bis Sommer 2027 übernehmen die Sessellifte Rifenal- und Weinbergbahn den Aufstieg[4].

Etappe 4: Venet, Pitztal und Braunschweiger Hütte

Mit der Bahn geht es hinauf zum Krahberg (2.208 m), 2026 mit den Ersatz-Sesselliften und einem Stück mehr zu Fuß, dann über den Kamm zur Glanderspitze (2.512 m) und das Wannejöchl hinunter zur Larcher Alm und nach Wenns im Pitztal. Ein Panorama-Tag mit Blick auf die Lechtaler im Norden und die Ötztaler Gletscher im Süden.

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Von Wenns fährt der Bus in gut einer Stunde bis ans Talende nach Mittelberg, und dann kommt der zweite Teil, den viele unterschätzen: 1.000 Höhenmeter am Wasserfall des Pitztaler Gletscherbachs hinauf zur Braunschweiger Hütte auf 2.759 Metern. Mit Mittelbergferner und Wildspitze vor der Tür die spektakulärste Hütte der Tour.

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Etappe 5: Pitztaler Jöchl und Vent

Von der Hütte hast du zwei Übergänge zur Auswahl: das Pitztaler Jöchl (2.996 m) mit felsigem, seilgesichertem Steig oder das Rettenbachjoch (2.990 m) mit einem schmalen, ausgesetzten Anstieg über Schnee. Bei Altschnee und schlechter Sicht ist das Jöchl die sicherere Wahl, bei festem Firn geht das Joch schneller. Frag am Abend das Hüttenteam, das kennt die Verhältnisse besser als jede App. Unten wartet die Skiwelt am Rettenbachferner mit Liften, Restaurant und Bushaltestelle. Von dort fährst du über Sölden nach Vent auf 1.896 Meter und steigst noch zwei Stunden das Niedertal hinauf zur Martin-Busch-Hütte.

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Etappe 6: Niederjoch, Similaunhütte und Meran

Der Schlusstag beginnt mit 520 Höhenmetern durch Geröll und über die Reste des Niederjochferners, vom Gletscher sind nur noch Reste und Schneefelder übrig. Oben steht die Similaunhütte direkt auf dem Niederjoch, 3.019 Meter, Grenze nach Italien, und wer eine Stunde übrig hat, geht noch über den Blockgrat zur Ötzi-Fundstelle am Tisenjoch auf 3.210 Metern. Dann 1.320 Höhenmeter hinab nach Vernagt am Stausee und mit der Buslinie 261 durchs Schnalstal nach Naturns und Meran. Am Morgen Reif auf dem Geröll, am Abend Palmen an der Passer. Mir ging es 2017 aus der anderen Richtung ähnlich: Nach den Dolomiten und Bozen war Meran die erste Stadt, in der die Hitze im Tal schlimmer war als jeder Anstieg.

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Hütten am E5: Preise 2026 und Buchung

Die Hütten sind der Flaschenhals dieser Tour, mehr als der Weg und mehr als die Kondition. Bevor du irgendetwas anderes planst, sicherst du dir die Kette von Kemptner bis Similaunhütte. Die Preise unten sind Stand 2026 von den Hüttenseiten, jeweils für Erwachsene ohne Alpenvereinsmitgliedschaft.

Hütten am E5 (Stand 2026)

Hütte Höhe Preise und Buchung
Kemptner Hütte (DAV Allgäu-Kempten) 1.846 m 290 Plätze. Lager 20 €, Bett 26 €, Mitglieder 10 und 14 €. Buchung über Huetten-Holiday, Saison 4. Juni bis 4. Oktober 2026, nur Bargeld[5].
Memminger Hütte (DAV Memmingen) 2.242 m 145 Plätze. Lager 26 €, Mehrbettzimmer 36 €, Mitglieder 15 bis 24 €. Halbpension mit Frühstücksbuffet 46 € extra. Huetten-Holiday[6].
Skihütte Zams (privat) 1.780 m E5-Halbpension ab 56 €. Alternativ Gasthöfe und Hotels unten in Zams.
Braunschweiger Hütte (DAV Braunschweig) 2.759 m Matratzenlager 31 €, Zimmerlager 36 €, Mitglieder 17 und 23 €. Frühstücksbuffet 19,40 €, Abendessen à la carte, nur Bargeld.
Martin-Busch-Hütte (DAV Berlin) 2.501 m 114 Plätze in Betten und Lagern, Halbpension 28 € zuzüglich Übernachtung. Reservierung über den Pächter (Hotel Vent). Saison 9. Juni bis 20. September 2026.
Similaunhütte (privat) 3.019 m Nur mit Halbpension: Lager 87 €, Zimmer 95 €. Anzahlung 45 € pro Person und Nacht, nicht erstattbar. Bis Anfang Juni per Mail, danach nur telefonisch. Saison ab 13. Juni 2026, nur Bargeld[7].

Die Buchungsfenster öffnen früh. Wer im Juli oder August gehen will, sollte im Januar bis März buchen, weil Memminger und Braunschweiger Hütte für die Hochsaison oft schon im April voll sind. Die Alpenvereinshütten laufen über Huetten-Holiday oder das Reservierungssystem der Alpenvereine, jeweils mit Anzahlung und Stornofristen. Die Similaunhütte spielt nach eigenen Regeln: Mail bis Anfang Juni, danach Telefon, und die Anzahlung ist weg, wenn du kurzfristig absagst. Bei Absage drei Wochen vorher schreibt sie dir den Betrag fürs Folgejahr gut.

Eine Mitgliedschaft im Alpenverein rechnet sich ab dieser Tour. Auf den vier Vereinshütten sparst du zwischen 10 und 14 Euro pro Nacht, dazu kommt der Versicherungsschutz, der bei einem Hubschrauberflug am Pitztaler Jöchl den Unterschied zwischen 0 und mehreren Tausend Euro macht. An der Kemptner Hütte kannst du sogar noch am Abend beitreten. Wer die Reservierungslogik von der Tour du Mont Blanc kennt, wird sich hier heimisch fühlen: gleiche Frühbucher-Panik, kleinere Hütten, dafür in einer Sprache.

Wie schwer ist die E5 Alpenüberquerung?

Technisch ist der E5 ein Bergwanderweg der Stufen T2 bis T3. Es gibt keinen Klettersteig und keinen Gletscher, auf dem du Steigeisen bräuchtest, aber vier Stellen, an denen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit keine Floskeln sind: die Drahtseile im Sperrbachtobel, die schmale Seescharte mit möglichem Altschnee auf der Nordseite, der seilgesicherte Steig am Pitztaler Jöchl beziehungsweise der ausgesetzte Anstieg zum Rettenbachjoch, und das Blockgelände mit Schneefeldern am Niederjoch. Bei Nebel oder Neuschnee wird aus jeder dieser Stellen ein Grund für einen Wartetag.

Konditionell ist die Tour härter als ihr Ruf. Vier Tage in Folge mit 1.000 bis 1.400 Höhenmetern Aufstieg und Gehzeiten von sechs bis acht Stunden, dazu die Höhe: Drei Nächte auf über 2.200 Metern, eine auf 2.759 und optional eine auf 3.019 Metern. Wer aus dem Flachland anreist, schläft in der Braunschweiger Hütte schlecht und geht am nächsten Morgen mit Kopfweh los. Das ist normal und kein Grund zur Sorge, aber ein Grund, den Rucksack klein zu halten.

Genau da liegt der Unterschied zu einer Runde wie dem Stubaier Höhenweg, wo du oben bleibst und die Höhenmeter sich verteilen. Der E5 fällt dreimal ins Tal: nach Holzgau, nach Zams und nach Vernagt. Das Zammer Loch allein hat 1.900 Meter Abstieg, und die stehen nach einem Aufstieg auf die Seescharte an. Wer hier mit zehn Kilo und steifen Stiefeln unterwegs ist, kommt in Zams mit Knieschmerzen an und trägt sie bis Meran mit.

Die beste Zeit für den E5

Die Hütten öffnen je nach Schneelage Anfang bis Mitte Juni und schließen Mitte bis Ende September, die Similaunhütte 2026 am 13. Juni. Innerhalb dieses Fensters gilt: Von Mitte Juli bis Mitte September sind die Übergänge am verlässlichsten schneefrei und die Wetterlagen am stabilsten. Anfang Juli kann an der Seescharte und am Niederjoch noch Altschnee liegen, dann sind Grödel eine gute Idee. Ab Mitte September werden die Tage kurz, über 3.000 Metern friert es nachts, und ein Wintereinbruch ist ab dann jederzeit möglich.

Der Preis für das beste Wetter ist der Andrang. Mitte Juli bis Ende August sind die Hütten voll, die Wege zwischen Memminger Hütte und Zams und rund um das Pitztaler Jöchl gleichen an Schönwettertagen einer Prozession. Die erste Septemberhälfte ist deshalb für viele der beste Kompromiss: stabiler Herbst, klare Sicht, weniger Leute, Hütten noch offen. Und egal wann: Gewitter kommen im Hochsommer fast täglich am Nachmittag, also früh raus und mittags über den Pass. Wer im August in Meran ankommt, sollte den Nachmittag im Schatten planen, die Tipps aus unserem Guide zum Wandern bei Hitze gelten im Etschtal wörtlich.

Was kostet die E5 Alpenüberquerung?

Selbst organisiert kostet die Woche deutlich weniger als die geführte Tour, aber mehr, als viele erwarten, weil die Similaunhütte und die Halbpensionen ins Geld gehen. Hier eine Beispielrechnung für eine Person ohne Alpenvereinsmitgliedschaft, mit Halbpension auf allen Hütten und den üblichen Transfers:

E5 Kosten: Beispielrechnung selbst organisiert

Posten Betrag Was drinsteckt
5 Hüttennächte mit Halbpension ~330 € Kemptner ~60, Memminger 72, Zams 56, Braunschweiger ~70, Martin-Busch ~50 (Übernachtung plus Halbpension oder Frühstück und Abendessen)
Nacht in Meran ~35 bis 80 € Jugendherberge oder einfaches Hotel, weil der Rückbus morgens fährt
Transfers unterwegs ~50 € Bus Spielmannsau, Taxi Holzgau bis Madau (~11 bis 15 €), Lift Zams, Shuttle 2 €, Bus Wenns bis Mittelberg (~5 €), Busse Rettenbachferner bis Vent und Vernagt bis Meran
Getränke, Mittag, Snacks ~120 € Sechs Tage à 20 €, Hüttenpreise für Radler und Kuchen eingerechnet
Rückfahrt Meran nach Oberstdorf ab 49 € Shuttlebus (Prenner, Schmid), 5 bis 6 Stunden. Bahn geht auch, mit drei Umstiegen und letztem sinnvollen Zug um 15:16 Uhr
Anreise nach Oberstdorf 30 bis 80 € Bahn, je nach Startort und Sparpreis
Summe ~620 bis 730 € Als Alpenvereinsmitglied rund 50 € weniger auf den Hütten

Zum Vergleich: Die geführte Klassiker-Woche der Alpinschule Oberstdorf kostet 2026 ab 1.195 Euro für Alpenvereinsmitglieder und 1.219 Euro sonst, mit Bergführer, Halbpension, Transfers, Rückbus und an drei Tagen Rucksacktransport. Der Aufpreis von rund 500 Euro kauft dir vor allem eines: die Hüttenkette, um die du dich nicht selbst kümmern musst, plus jemanden, der am Pitztaler Jöchl die Verhältnisse einschätzt. Für die erste hochalpine Mehrtagestour ist das ein faires Geschäft. Für alle, die schon mal eine Woche von Hütte zu Hütte gegangen sind, ist es Geld für Dinge, die sie selbst können.

Zelten auf dem E5: die ehrliche Antwort

Nein. In Tirol verbietet das Campinggesetz seit 2001 das Zelten außerhalb von Campingplätzen, die Strafe liegt bei 220 Euro[8]. In Südtirol gilt wie in ganz Italien ein Verbot mit Bußgeldern zwischen 100 und 500 Euro, und der Abstieg vom Niederjoch führt durch den Naturpark Texelgruppe, wo die Schutzgebietsregeln obendrauf kommen. Im bayerischen Teil ist die Rechtslage weicher, aber der einzige bayerische Abschnitt endet nach einem Tag an der Kemptner Hütte. Ein Notbiwak oberhalb der Baumgrenze wird geduldet, wenn es wirklich eines ist. Ein geplantes Zelt neben der Braunschweiger Hütte ist keines.

Auf Wien-Nizza 2017 hatten wir das Zelt 107 Tage lang dabei und haben rund 15 Nächte darin geschlafen, immer dort, wo keine Hütte in Reichweite war. Auf dem E5 würde ich es zu Hause lassen. Die Campingplätze liegen alle im Tal (Oberstdorf, Holzgau, Zams, Sölden), also genau dort, wo du abends nicht bist. Der E5 ist eine Hüttentour, und er ist als Hüttentour am leichtesten: kein Zelt, kein Schlafsack, kein Kocher, keine Isomatte. Das spart mehr Gewicht, als jede Ausrüstungsoptimierung je bringen könnte.

Packliste E5: unter drei Kilo Basisgewicht über die Alpen

Das ist der Teil, bei dem wir als Hersteller am meisten mitreden, und die Liste hier ist bewusst kurz. Sie folgt derselben Logik wie unsere Hüttentour-Packliste, mit zwei Unterschieden: Auf 3.000 Metern brauchst du mehr Isolation als auf einer Mittelgebirgstour, und die Abstiege verlangen Stöcke. Wer die Grundsatzfragen zu Hütte oder Zelt und zum Gesamtgewicht nachlesen will, findet sie in der Packliste Alpenüberquerung. Getragene Kleidung, Schuhe und Stöcke zählen unten nicht mit.

E5 Packliste: Hüttentour bis 3.000 m
Σ ~2.450 g

Gegenstand Gewicht Hersteller-Kommentar
WeitLäufer Agilist (2026) 570 g Für eine Hüttentour auf 30 Liter eingerollt. Ultra 200X ist wasserdicht, die meisten Nähte sind getapt, die Regenhülle bleibt zu Hause.
Regenjacke ~180 g Am Pitztaler Jöchl kann es im August hageln. Leichte Modelle in der Regenjacken-Kaufberatung.
Regenhose ~120 g Auf den langen Abstiegen bei Wetterumschwung wertvoller als jede zweite Hose.
Isolationsjacke (Daune oder Kunstfaser) ~250 g Nächte auf 2.759 und 3.019 Metern, Frühstück in der Similaunhütte bei 3 Grad im Gastraum.
Merino-Shirt zum Wechseln, 2 Paar Socken ~240 g Waschen geht auf jeder Hütte am Brunnen, trocknen über Nacht meist auch.
Mütze, dünne Handschuhe, Halstuch ~110 g Frühstart am Niederjoch: Reif auf dem Geröll, Finger steif.
Hüttenschlafsack aus Seide ~110 g Auf allen Alpenvereinshütten Pflicht.
Mikrofaser-Handtuch, Ohrstöpsel ~45 g Die Ohrstöpsel sind auf der Memminger Hütte das wichtigste Ausrüstungsteil.
Sonnenbrille, Creme LSF 50, Lippenschutz ~120 g Vier Tage über 2.500 Metern, teils auf Schnee.
Erste Hilfe, Blasenpflaster, Hygiene ~230 g Blasenpflaster großzügig, Rest auf Reisegröße umgefüllt.
Stirnlampe ~28 g Für den Weg zum Klo im Lager und frühe Starts.
Powerbank 10.000 mAh, Kabel ~195 g Steckdosen gibt es auf der Kemptner Hütte gar nicht, anderswo wenige.
2 Flaschen à 1 l (leer) ~70 g Wasser gibt es an jeder Hütte und Alm, 1,5 Liter reichen zwischen zwei Stationen.
Ausweis, Bargeld, Karte oder App ~150 g Fast alle Hütten nehmen nur Bargeld, plane 400 Euro in Scheinen ein.
Grödel (optional, Juni und September) ~250 g Nur bei gemeldetem Altschnee an Seescharte und Niederjoch. Im Hochsommer zu Hause lassen.

Die komplette Hüttentour-Ausrüstung ausgelegt: alles zusammen 2.537 g Basisgewicht, gewogen Stück für Stück.
Die komplette Hüttentour-Ausrüstung ausgelegt: alles zusammen 2.537 g Basisgewicht, gewogen Stück für Stück.

Ohne Grödel liegt das Basisgewicht bei rund 2,4 Kilo. Dazu kommen morgens Wasser und Proviant, mehr trägst du auf dieser Tour nicht:

Traggewicht am Morgen an der Braunschweiger Hütte

Posten Gewicht
Basisgewicht (Tabelle oben, ohne Grödel) ~2.450 g
Wasser 1,5 l 1.500 g
Proviant für den Tag ~400 g
TRAGGEWICHT GESAMT ~4.350 g

Viereinhalb Kilo. Das ist weniger als die 8 bis 10 Kilo, die die meisten E5-Ratgeber als Obergrenze nennen, und es ist der Grund, warum du den Rucksacktransport der Bergschulen nicht brauchst. Auf meiner ersten Alpenüberquerung 2014 lag mein Rucksack bei knapp zehn Kilo ohne Schlafsystem, und ich weiß noch, wie sich jeder Abstieg angefühlt hat. 2017 waren es 4,3 Kilo mit Zelt.

Zur Volumenfrage: Für dieses Setup reicht ein 25- bis 30-Liter-Rucksack. Der Agilist ist mit 54 Litern dafür groß, aber per Rolltop passt er sich dem Inhalt an, und mit 570 Gramm wiegt er weniger als die meisten Tagesrucksäcke. Wer sich lieber einen kleinen Rucksack zulegt, findet die Kriterien im Guide zum kleinen Wanderrucksack. Und zu den Schuhen: Auf den gut angelegten Wegen des E5 funktionieren Trailrunner mit griffiger Sohle sehr gut, wenn du sie gewohnt bist. Knöchelhohe Stiefel schützen dich vor Umknicken weniger, als man denkt, und kosten bergab Kraft. Für Altschnee sind Grödel wichtiger als der Schaft.

Anreise, Rückreise und Karte

Oberstdorf hat einen Kopfbahnhof mit Direktzügen aus München und Ulm, die Anreise ist also die einfache Seite. Der Bus nach Spielmannsau fährt vor dem Bahnhof ab. Meran hat Bahnanschluss nach Bozen, und ab Bozen kommst du über den Brenner nach Innsbruck und weiter nach Kempten, aber das dauert mit Umstiegen den ganzen Tag, und der letzte sinnvolle Zug ab Meran fährt werktags gegen 15 Uhr. Deshalb nehmen fast alle den Shuttlebus zurück nach Oberstdorf: Prenner und Schmid fahren in der Saison täglich, ab 49 Euro, fünf bis sechs Stunden Fahrt. Buche den Bus zusammen mit den Hütten, im August ist auch er voll.

Zur Orientierung reicht die Alpenvereinskarte oder eine gute App mit Offline-Karten, der Weg ist durchgehend als E5 markiert. Trotzdem: In der Seescharte und am Niederjoch verschwinden die Markierungen unter Altschnee, dann hilft ein Track auf dem Handy mehr als jede Karte. Für die Tiroler Etappen listet e5.tirolwest.at die Fahrpläne des Lechtaler Linientaxis, des Busses von Wenns nach Mittelberg und der Ötztaler Linien. Die Fahrpläne ändern sich jährlich, prüfe sie zwei Wochen vor dem Start.

Häufige Fragen zur E5 Alpenüberquerung

Rund 104 Kilometer zu Fuß in 6 Etappen, mit etwa 5.000 Höhenmetern Aufstieg und 6.500 Höhenmetern Abstieg. Zwischen den Gehstrecken fährst du an vier Stellen Bus, Taxi oder Lift. Wer alles läuft, kommt auf 130 bis 160 Kilometer.

Sechs Gehtage plus einen Tag für die Rückreise, also sieben bis acht Tage. Wer auf der Similaunhütte übernachtet oder die Ötzi-Fundstelle mitnimmt, plant einen Tag mehr.

Bergwanderweg T2 bis T3 mit seilgesicherten Stellen am Sperrbachtobel und Pitztaler Jöchl, Altschnee an Seescharte und Niederjoch bis in den Juli. Konditionell brauchst du vier Tage in Folge mit 1.000 bis 1.400 Höhenmetern Aufstieg und bis zu 1.900 Höhenmetern Abstieg.

Ja. Der Weg ist durchgehend markiert und die Hütten liegen in Tagesabständen. Voraussetzung sind früh gebuchte Hütten, stabiles Wetter an den Übergängen und Erfahrung mit Mehrtagestouren im Gebirge. Bei Altschnee oder wenig Erfahrung ist eine Bergschule sinnvoll.

Mitte Juli bis Mitte September. Die Hütten öffnen je nach Schneelage Anfang bis Mitte Juni und schließen Mitte bis Ende September. Die erste Septemberhälfte ist meist der beste Kompromiss aus stabilem Wetter und weniger Andrang.

Für Juli und August zwischen Januar und März. Memminger und Braunschweiger Hütte sind für die Hochsaison oft schon im April voll. Die Similaunhütte verlangt eine Anzahlung von 45 Euro pro Nacht und nimmt bis Anfang Juni Mails, danach nur Anrufe.

Selbst organisiert mit Halbpension, Transfers und Rückbus rund 620 bis 730 Euro pro Person, als Alpenvereinsmitglied etwa 50 Euro weniger. Geführte Touren kosten 2026 ab etwa 1.200 Euro.

Nein. In Tirol ist Zelten außerhalb von Campingplätzen verboten und kostet 220 Euro Strafe, in Südtirol 100 bis 500 Euro. Campingplätze gibt es nur im Tal. Der E5 ist als Hüttentour geplant und als Hüttentour am leichtesten.

Nächster Schritt

Wenn du bis hier gelesen hast, weißt du, woran der E5 hängt: an sechs Hüttenbetten, einem stabilen Wetterfenster und einem Rucksack, der bergab nicht wehtut. Die ersten beiden erledigst du im Januar am Schreibtisch. Das dritte fängt bei der Frage an, was du wirklich auf 3.000 Meter tragen willst, und die Antwort ist fast immer: weniger als beim letzten Mal.

Quellen

  1. Verlauf und Geschichte des Europäischen Fernwanderwegs E5 (Pointe du Raz bis Verona, seit 1972). de.wikipedia.org
  2. Kennzahlen der Alpenüberquerung Oberstdorf bis Meran: 104 km, 4.950 hm Aufstieg, 6.470 hm Abstieg, Tourismusverband TirolWest. e5.tirolwest.at
  3. Die Originalroute des E5 über Zwieselstein und Timmelsjoch nach Meran, Alpenverein Regensburg. alpenverein-regensburg.de
  4. Umleitung bei Zams, Shuttle und Ersatzlifte während des Venetbahn-Neubaus 2026, TirolWest. e5.tirolwest.at
  5. Kemptner Hütte, Zimmer und Lager, Preise und Buchungsfenster 2026. kemptner-huette.de
  6. Memminger Hütte, Übernachtungstarife 2026 und Halbpension. memmingerhuette.at
  7. Similaunhütte, Preise und Informationen 2026 (Halbpension, Anzahlung, Saison). similaunhuette.com
  8. Zelten am Berg: Rechtslage in Tirol (Campinggesetz, 220 Euro) und Südtirol, Bergwelten. bergwelten.com