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GR221 Mallorca: Etappen, Refugis, Wasser und Packliste

Der GR221 führt in neun Etappen durch die Serra de Tramuntana, über jahrhundertealte Trockenmauer-Pfade zwischen Olivenhainen, Kalkgraten und dem Meer. Ich bin ihn im April 2015 mit Zelt gegangen und habe dabei vor allem gelernt, wie knapp Wasser hier ist. Hier bekommst du alle Etappen mit Zahlen, die Refugi-Logik des Consell de Mallorca, die ehrliche Antwort zum Zelten und eine Packliste, die im Kalk nicht drückt.

Min. Lesezeit
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Von Alex
WeitLäufer Lab, Emmendingen
GR221 Trockenmauerweg Mallorca wandern
Inhaltsverzeichnis

Der GR221 ist der Fernwanderweg, für den Mallorca in Wanderkreisen steht: 150 Kilometer durch die Serra de Tramuntana, von Port d’Andratx im Südwesten bis Port de Pollença im Nordosten, auf Pfaden, die Köhler, Schneesammler und Olivenbauern über Jahrhunderte in Trockenmauer-Technik angelegt haben. Daher der Name Ruta de Pedra en Sec, Trockenmauerweg. Du läufst über gepflasterte Stufenwege aus dem 18. Jahrhundert, an Kalkschluchten entlang, durch Steineichenwälder, und fast jeden Tag siehst du irgendwann das Meer.

Ich bin den GR221 im April 2015 gegangen, rund 100 Kilometer von Port d’Andratx bis zum Cúber-Stausee, damals mit Zelt. Vieles hat sich seitdem geändert: Der Weg ist durchgehend markiert, das Refugi-Netz des Consell de Mallorca ist gewachsen, und die Rechtslage beim Zelten ist eindeutiger, als ich sie damals gelesen habe. Eines ist geblieben: Wasser ist hier das Thema, das deine Tour bestimmt. Genau darum geht es in diesem Guide, neben Etappen, Refugis, Saison und einer Packliste, die im Kalk nicht drückt. Wo der GR 221 im Vergleich zu anderen europäischen Wegen steht, zeigt unsere Übersicht der Fernwanderwege Europas.

Der GR221 im Überblick

Die Serra de Tramuntana ist seit 2011 UNESCO-Welterbe, eingetragen als Kulturlandschaft[5]: Terrassen, Bewässerungskanäle, Köhlerplätze und Schneehäuser, alles aus Kalkstein ohne Mörtel gesetzt. Der GR221 fädelt genau diese Bauwerke auf. Der Consell de Mallorca, die Inselregierung, baut den Weg seit den 1990er-Jahren Stück für Stück aus, betreibt die Refugis und markiert die Route rot-weiß. Fertig ist er nicht: Große Teile der Tramuntana sind Privatbesitz, und der Consell weist ausdrücklich darauf hin, dass einzelne Abschnitte noch „in Planung und nicht beschildert“ sind[1]. Seit 2023 ist der Weg trotzdem durchgehend begehbar.

GR221 in Zahlen

Kennzahl Wert Kommentar
Länge Hauptroute 150,1 km Port d’Andratx bis Port de Pollença, dazu 111 km beschilderte Varianten[1]
Etappen 9 Offizielle Einteilung des Consell. Die meisten Wanderer brauchen 8 bis 10 Tage.
Höchster Punkt ~1.200 m Coll des Prat bei den Cases de sa Neu, den alten Schneehäusern, zwischen Tossals Verds und Lluc
Höhenmeter ~6.000 hm Im Auf- und im Abstieg, einzelne Etappen mit bis zu 1.000 hm
Schwierigkeit T1 bis T3 Bergwanderweg im Kalk, einzelne Ketten, Trittsicherheit nötig
Übernachtung Refugis Consell-Refugis 14 € pro Nacht, dazu Hostels und Hotels in den Dörfern
Beste Zeit Frühjahr, Herbst März bis Mai und Oktober bis November. Sommer zu heiß und zu trocken.
Wasser 3 l pro Tag Kaum verlässliche Quellen, Nachschub nur in den Dörfern

Die 9 Etappen des GR221

Der Consell teilt den GR221 in neun Etappen, jeweils von Refugi zu Refugi oder von Dorf zu Dorf. Die Kilometer unten sind auf ganze Zahlen gerundet, weil die Angaben je nach Track um ein bis zwei Kilometer auseinanderliegen. Die Gehzeiten gelten für ein normales Tempo mit Pausen, ohne Baden in Cala Deià.

MITTELMEERPort d’AndratxSant ElmEstellencsBanyalbufarEsporlesValldemossaDeiàPort de SóllerSóllerLlucPollençaPort de PollençaAlaróIncaAndratxAlcúdiaPalmaPuig Major · 1436 mMassanella · 1365 mPuig de Galatzó · 1027 mPuig Tomir · 1104 mColl des Prat · 1205 mRefugi GalatzóRefugi GalatzóCan BoiMuletaTossals VerdsTossals VerdsSon AmerPont RomàCastell d’AlaróCastell d’AlaróCúber-Stausee123456789GR221 · Trockenmauerweg~150 km · Port d’Andratx → Port de Pollença · 9 EtappenHauptrouteGalatzó-VarianteRefugi1EtappeTrack: © OpenStreetMap-Mitwirkende · Karte: © MapTiler © OpenStreetMap-Mitwirkende
HöhenprofilMeter über NN / Kilometer250500750100012500255075100125150123456789Sant ElmEstellencsEsporlesDeiàPort de SóllerTossals VerdsLlucPollençaColl des Prat · 1.205 m

Streckenverlauf und Höhenprofil des GR221, erstellt aus dem OpenStreetMap-Track. Die neun Etappen folgen der Einteilung des Consell de Mallorca, Rauten markieren die Refugis, gestrichelt die Galatzó-Variante. Im Profil sieht man, warum Etappe 6 und 7 die harten sind: der Anstieg aus Sóller zum Cúber-Stausee und der Coll des Prat als höchster Punkt. Kartenunterlage © MapTiler © OpenStreetMap-Mitwirkende. Zum Vergrößern auf die Karte tippen.

GR221 Etappen: von Port d'Andratx nach Port de Pollença

Etappe Länge Kommentar
1 Port d’Andratx bis Sant Elm ~9 km 3 bis 4 h, ~600 hm. Einlaufetappe über den Coll de sa Gramola. Wer spät landet, übernachtet in Port d’Andratx und startet morgens.
2 Sant Elm bis Estellencs ~24 km 7 bis 8 h, ~1.000 hm. Über die Klosterruine La Trapa und die Moleta de s’Esclop. Längste und trockenste Etappe, kein Wasser unterwegs. Refugi Ses Fontanelles (privat) auf halber Strecke.
3 Estellencs bis Esporles ~14 km 4 bis 5 h, ~350 hm. Leichteste Etappe, über die Terrassen von Banyalbufar und durch Steineichenwald.
4 Esporles bis Can Boi (Deià) ~23 km 7 bis 8 h, ~1.200 hm. Über Valldemossa und den Camí de s’Arxiduc, die landschaftlich stärkste Etappe. Viele teilen sie in Valldemossa.
5 Can Boi bis Muleta (Port de Sóller) ~10 km 3 bis 4 h, ~250 hm. Küstenetappe mit Bademöglichkeit in Cala Deià. Das Refugi Muleta steht am Leuchtturm über dem Hafen.
6 Muleta bis Tossals Verds ~26 km 8 bis 9 h, ~900 hm. Durch Sóller und Biniaraix, dann der gepflasterte Barranc de Biniaraix hinauf zum Coll de l’Ofre und am Cúber-Stausee vorbei. Ab Sóller sind es noch rund 19 km.
7 Tossals Verds bis Son Amer (Lluc) ~16 km 6 bis 7 h, ~800 hm. Über den Coll des Prat, den höchsten Punkt des Wegs. Karst pur, bei Nebel schwierige Orientierung.
8 Son Amer bis Pont Romà (Pollença) ~17 km 5 bis 6 h, ~250 hm auf, ~700 hm ab. Vom Kloster Lluc hinunter Richtung Ebene.
9 Pont Romà bis Port de Pollença ~7 km 2 h. Flacher Ausklang bis ans Meer.

Start in Port d’Andratx oder Es Capdellà?

Die offizielle Route beginnt am Hafen von Port d’Andratx. Die Galatzó-Variante startet in Es Capdellà und führt über die öffentliche Finca Galatzó mit dem gleichnamigen Refugi nach Estellencs. Sie spart dir die trockene Etappe 2 und ist für den Einstieg die entspanntere Wahl. Wer den kompletten Küstenbogen will, startet in Port d’Andratx und nimmt die Wasserfrage auf Etappe 2 ernst. Ich würde heute wieder dort starten. Die ersten beiden Tage waren die einsamsten der ganzen Tour.

Die Schlüsselstellen

Der Abstieg unterhalb von La Trapa auf Etappe 2 hat eine kurze, mit Ketten gesicherte Passage im Kalk. Ausgesetzt, aber gut zu gehen, wenn du dich rechts hältst. Der Barranc de Biniaraix auf Etappe 6 ist ein gepflasterter Stufenweg mit Dutzenden Kehren, bergauf in der Mittagssonne ein Kraftakt. Der Coll des Prat auf Etappe 7 ist Karstlandschaft ohne Schatten, in der Steinmännchen die einzige Wegspur sind. Bei Nebel brauchst du dort den Track. Dazu kommen die vielen kleinen Dinge: Gatter in Privatzäunen, die du hinter dir schließt, und Wegabschnitte, die in weitem Bogen um Fincas herumgeführt werden.

Der Barranc de Biniaraix auf Etappe 6: gepflasterte Kehren aus Kalkstein, im 18. Jahrhundert für Maultiere angelegt, heute der bekannteste Abschnitt des GR221.
Der Barranc de Biniaraix auf Etappe 6: gepflasterte Kehren aus Kalkstein, im 18. Jahrhundert für Maultiere angelegt, heute der bekannteste Abschnitt des GR221.

Wasser: die knappste Ressource der Tramuntana

Auf Etappe 2 hatte ich drei Liter dabei, für 24 Kilometer und 1.000 Höhenmeter. Im Schatten waren es 25 Grad, in der Sonne über 30, Mitte April. Auf der Karte war hinter Sant Elm ein Brunnen beim alten Refugi eingezeichnet, und ich hatte meine Planung darauf gebaut. Der Brunnen war leer. Die letzten Kilometer nach Estellencs bin ich mit einem Schluck im Beutel gegangen und habe im ersten Café neun Liter Wasser und zwei Cola gekauft.

Seitdem plane ich in der Tramuntana anders. Es gibt auf dem GR221 keine verlässlichen natürlichen Quellen. Die Zisternen an den alten Fincas sind ab dem Frühsommer meist trocken, und was auf Karten als Font eingezeichnet ist, kann im April führen oder auch nicht. Verlässlich sind die Dörfer. Du kommst fast jeden Tag durch einen Ort mit Supermarkt oder Café: Estellencs, Esporles, Valldemossa, Deià, Sóller, Pollença. Dazwischen trägst du alles selbst.

Meine Regel: drei Liter pro Person am Morgen einer langen Etappe, zwei auf den kurzen, im Refugi abends auffüllen. Bei Hitze über 25 Grad eher vier. Das klingt viel, aber in der Sonne über dem Meer schwitzt du mehr, als du merkst. Wie du die Trinkmenge bei Hitze planst und den Tag um die Mittagssonne herum legst, steht ausführlich im Guide zum Wandern bei Hitze.

Refugis buchen: so funktioniert das Consell-System

Der Consell de Mallorca betreibt entlang des GR221 ein Netz einfacher Berghütten, die Refugis. Sie liegen meist direkt am Etappenziel, in alten Fincas, einem ehemaligen Telegrafenposten oder neben dem Kloster Lluc. Die Ausstattung ist schlicht: Schlafsäle mit Etagenbetten, Duschen, Abendessen und Frühstück gegen Aufpreis, keine Selbstversorgerküche. Eine Übernachtung kostet 14 € pro Person, das Abendessen 9,50 €, Frühstück 5,50 €, ein Picknick für den nächsten Tag 8 €[2]. Bettwäsche leihst du für 4,50 € oder bringst einen Hüttenschlafsack mit.

Die Buchung läuft über das Online-Portal des Consell, frühestens vier Monate und spätestens fünf Tage vor der Übernachtung, mit 80 Prozent Anzahlung[3]. In der Osterwoche und im Mai sind die Häuser Wochen vorher voll, im November bekommst du meist kurzfristig ein Bett. Im Vergleich zur Tour du Mont Blanc, wo du im Januar für den Sommer buchst, ist das entspannt. Die Fünf-Tage-Frist macht spontane Umplanungen unterwegs allerdings unmöglich. Lege deine Etappen vorher fest.

Refugis am GR221 (Stand 2025)

Refugi Betten Kommentar
Galatzó (Es Capdellà) 50 Consell, auf der Galatzó-Variante, seit Dezember 2022 offen. Der Ersatz für die trockene Etappe 2.
Ses Fontanelles 12 Privat, auf halber Strecke der Etappe 2 in den Bergen, Buchung direkt bei den Betreibern. Einzige Unterkunft zwischen Sant Elm und Estellencs.
Esporles geschlossen Das Refugi in Esporles ist seit Januar 2025 zu. Ausweichen auf das Hostel Sa Fita Backpackers oder Pensionen im Ort.
Can Boi (Deià) 32 Consell, alte Ölmühle mitten in Deià, mit kleinem Museum. Früh buchen, Deià ist das teuerste Dorf der Route.
Muleta (Port de Sóller) 30 Consell, ehemalige Telegrafenstation am Leuchtturm über dem Hafen, Sonnenuntergang inklusive.
Tossals Verds 42 Consell, einsam auf 525 m im Tal unter dem Cúber-Stausee. Das Refugi, in dem du dich am weitesten von der Insel weg fühlst.
Son Amer (Lluc) 54 Consell, oberhalb des Klosters Lluc. Alternative: Gästezimmer im Kloster selbst.
Pont Romà (Pollença) 42 Consell, am Stadtrand von Pollença an der alten Brücke. Letzte Nacht vor dem Meer.
Castell d’Alaró 30 Consell, auf der Alaró-Variante abseits der Hauptroute, lohnender Umweg auf den Burgberg.

Wo es kein Refugi gibt oder es voll ist, helfen die Dörfer: Estellencs, Valldemossa, Deià und Sóller haben Hotels und Pensionen in allen Preisklassen, Sóller auch ein Hostel. Rechne für ein Doppelzimmer in Deià oder Valldemossa mit dem Fünf- bis Zehnfachen eines Refugi-Betts.

Zelten auf dem GR221: die ehrliche Antwort

2015 habe ich jede Nacht im Zelt geschlafen. Aufgebaut in der Dämmerung, abgebaut um halb acht, abseits der Wege, ohne Feuer, ohne Spuren. Es hat funktioniert, niemand hat uns angesprochen, und in vielen Blogs liest du bis heute, Zelten werde auf dem GR221 „geduldet“.

Ich schreibe das heute anders, weil die Rechtslage eindeutig ist. Freies Zelten und Biwakieren sind auf Mallorca außerhalb ausgewiesener Plätze verboten. Grundlage ist das balearische Naturschutzgesetz Ley 5/2005, und die Serra de Tramuntana liegt fast vollständig im Natura-2000-Netz, wo Übernachten im Freien als schwerer Verstoß gilt[4]. Die Bußgelder beginnen bei 100 € und liegen bei Verstößen im Schutzgebiet deutlich darüber. Dazu kommt der Privatbesitz: Ein großer Teil des Wegs führt über Fincas, deren Eigentümer den Durchgang erlauben, mehr nicht. Jedes Zelt auf ihrem Land ist ein Argument gegen den nächsten Wegabschnitt, den der Consell mit ihnen verhandelt.

Darum meine Empfehlung, auch wenn sie meiner eigenen Tour widerspricht: Geh den GR221 von Refugi zu Refugi. Mit 14 € pro Nacht ist das Netz günstiger als jeder Campingplatz in Deutschland, und du sparst dir Zelt, Isomatte und Schlafsack, rund zwei Kilo. Das Wasser, das du stattdessen tragen kannst, ist auf diesem Weg mehr wert.

Zelten auf dem GR221. Schön, aber verboten.
Zelten auf dem GR221. Schön, aber verboten.

Wie schwer ist der GR221?

Der GR221 ist ein Bergwanderweg, kein Küstenspaziergang. Auf der SAC-Skala bewegt er sich zwischen T1 und T3: breite Pflasterwege in den Tälern, steinige Pfade an den Hängen, kurze gesicherte Stellen im Fels. Die Höhenmeter sind moderat, 600 bis 1.000 pro Tag, aber sie kommen fast immer in einem Stück, und die Sonne steht dabei über dir. Gletscher und Kletterei gibt es hier nicht. Was den Weg fordert, ist der Kalk.

Karst heißt scharfkantige Felsen, lose Steine auf hartem Grund, Wurzeln quer über dem Pfad. Du musst auf jeden Schritt achten, sonst knickst du um. Nach acht Stunden im Kalk sind die Füße müder als nach zwölf Stunden auf Almwegen. Dazu kommt die Orientierung. Die Hauptroute ist inzwischen rot-weiß markiert, aber auf den Hochflächen um den Coll des Prat und im Gelände vor Deià reichen die Steinmännchen bei Nebel nicht. Ein Track auf dem Handy und eine Karte in der Tasche gehören auf diesem Weg dazu. 2015 haben wir trotz Wanderführer und GPS hinter Estellencs eine Weile auf der Landstraße gestanden, weil ein Abzweig fehlte.

Konditionell ist der GR221 mit einer Hüttentour in den Alpen vergleichbar, technisch leichter, klimatisch härter. Wer den Stubaier Höhenweg gegangen ist, hat mit dem Gelände kein Problem, unterschätzt aber leicht die Hitze im April.

Der GR221 im Video: fünf Tage durch die Tramuntana

2015 habe ich die Tour gefilmt, damals noch für BergReif: von Port d’Andratx über La Trapa, Estellencs, Valldemossa und Sóller bis zum Cúber-Stausee, mit Zelt und in der Aprilhitze. Wer wissen will, wie der Kalk unter den Füßen aussieht, wie schmal die Trockenmauer-Pfade oberhalb von Banyalbufar werden und warum ich in Estellencs als Erstes ins Café bin, sieht es hier besser als in jeder Etappentabelle. Die Etappen über den Coll des Prat nach Lluc und Pollença fehlen im Film, dort endete die Tour am Stausee.

Wanderer mit Rucksack auf dem Trockenmauerweg GR221 in der Serra de Tramuntana, Standbild aus dem BergReif-Video von 2015

Beim Abspielen werden Daten an YouTube übertragen

„Wandern auf Mallorca | Der Trockenmauerweg GR 221″, BergReif, April 2015: fünf Tage von Port d’Andratx bis zum Cúber-Stausee, mit Zelt.

Die beste Zeit für den GR221

Frühjahr. März bis Mai ist die Saison des GR221: Die Hänge sind grün, die Zisternen führen noch Wasser, und tagsüber liegen die Temperaturen um 20 Grad. Das ist der Durchschnitt. Mitte April hatte ich an drei von fünf Tagen über 30 Grad in der Sonne, auch auf 800 Metern, nachts fiel das Thermometer bei Wind vom Meer unter 10 Grad. Rechne mit beidem.

Die zweite Saison ist der Herbst, Oktober bis November. Das Meer ist noch warm genug zum Baden in Cala Deià, die Sommerhitze ist vorbei, dafür bringt der Herbst in der Tramuntana die kräftigsten Regenfälle des Jahres. Die Nordseite der Serra ist die regenreichste Ecke Mallorcas, und im Barranc de Biniaraix willst du kein Gewitter erleben. Im Sommer, Juni bis September, ist der Weg mit über 30 Grad im Schatten und trockenen Zisternen kein Vergnügen. Der Winter ist machbar, aber mit kurzen Tagen, geschlossenen Refugis zwischen Weihnachten und Neujahr und gelegentlich Schnee auf den Pässen über 1.000 Metern.

Mein Tipp: erste Aprilhälfte oder zweite Oktoberhälfte, und die Osterwoche meiden. Dann ist die halbe Insel auf dem Weg.

Packliste: leicht durch die Tramuntana

Die Packliste unten ist die Refugi-Variante: kein Zelt, keine Isomatte, kein Schlafsack, kein Kocher. Abendessen und Frühstück gibt es im Refugi, mittags reicht ein Picknick aus dem Dorf. Was übrig bleibt, ist ein Setup unter drei Kilo, das die Logik unserer Hüttentour-Packliste auf mediterranes Klima überträgt: weniger Isolation, mehr Sonnenschutz, und Platz für drei Liter Wasser.

Aus eigener Erfahrung: Ein Merino-Langarmshirt war 2015 mein wichtigstes Teil, als UV-Schutz in der Sonne über dem Meer. Trailrunner statt Wanderstiefel, denn der Kalk verlangt Gefühl im Fuß, und bei 30 Grad danken dir die Füße das Netzgewebe. Und Trekkingstöcke, vor allem für die Pflasterstufen bergab im Barranc und auf dem Camí de s’Arxiduc.

GR221 Packliste: Refugi-Variante
Σ ~2,9 kg

Gegenstand Gewicht Hersteller-Kommentar
Rucksack (WeitLäufer Agilist) Im Shop 570 g 54 Liter sind für die Refugi-Variante großzügig, der Rolltop macht ihn klein. Die 14 Liter Außentaschen tragen Wasser und Regenjacke griffbereit.
Hüttenschlafsack Seide ~120 g Spart 4,50 € Bettwäsche pro Nacht und wiegt weniger als das Leihset.
Regenjacke ~200 g Im Herbst Pflicht, im Frühjahr Versicherung. Welche Modelle unter 200 g bleiben, steht in der Regenjacken-Kaufberatung.
Isolationsjacke leicht ~250 g Für die Abende im Refugi und die Windnächte über dem Meer. Dünne Daune reicht.
Merino-Langarmshirt ~180 g UV-Schutz und sieben Tage ohne Waschmaschine.
Wechselshirt ~120 g Für Refugi und Dorf.
Wanderhose leicht ~250 g Lang, wegen Macchia und Sonne.
Unterwäsche, Socken (je 2) ~150 g Merino-Socken trocknen über Nacht am Fensterkreuz.
Sonnenhut, Buff ~95 g Breite Krempe. Der Nacken ist auf den Nordost-Etappen den ganzen Tag der Sonne zugewandt.
Hüttenschuhe oder Sandalen ~200 g Optional, aber nach acht Stunden Kalk der beste Moment des Tages.
Wasserkapazität 3 l ~115 g Zwei 1-Liter-PET-Flaschen in den Seitentaschen plus eine 1-Liter-Faltflasche als Reserve. Leer fast gewichtslos, voll das schwerste Teil im Rucksack.
Erste Hilfe, Blasenpflaster ~80 g Tape und Blasenpflaster großzügig, der Kalk reibt.
Sonnencreme 50 ml, Lippenschutz ~70 g LSF 50, im Dorf nachkaufen statt die große Tube tragen.
Stirnlampe ~50 g Für Schlafsäle und einen frühen Start auf Etappe 2.
Powerbank 10.000 mAh, Kabel ~210 g Das Handy ist Karte und Kamera. In den Refugis gibt es Steckdosen, aber nicht immer freie.
Hygiene, kleines Handtuch ~140 g Mini-Zahnpasta, eine Seife für alles, Mikrofaser-Handtuch.
Dokumente, Bargeld, Packsäcke ~70 g Buchungsbestätigung offline gespeichert, Bargeld für Cafés in den kleinen Dörfern.

Am Körper: Trailrunner, Wanderhose, Shirt, Trekkingstöcke, Sonnenbrille. Nicht dabei: Kocher, Zelt, Isomatte, Schlafsack, Wasserfilter (es gibt nichts zu filtern), zweites Paar Schuhe. Der Vergleich der Gewichte zeigt, worum es auf diesem Weg geht:

Traggewicht am Morgen von Etappe 2

Posten Gewicht
Basisgewicht (Liste oben) ~2,9 kg
Wasser 3 Liter 3,0 kg
Picknick und Snacks für den Tag ~0,6 kg
Traggewicht gesamt ~6,5 kg

Mehr als die Hälfte davon ist Wasser und Essen. Mit einem klassischen 1,8-Kilo-Wanderrucksack und Stiefeln läge dasselbe Setup bei gut neun Kilo, ohne dass du einen einzigen Gegenstand mehr dabei hättest. Und falls du ohnehin einen 30-Liter-Rucksack besitzt: Er reicht für diese Liste. Worauf es bei kleinen Rucksäcken ankommt, steht im Guide zum kleinen Wanderrucksack.

Zwei 1-Liter-Flaschen in den Seitentaschen des Agilist: auf dem GR221 die wichtigste Packregel, weil du im Gehen trinkst statt beim Absetzen.
Zwei 1-Liter-Flaschen in den Seitentaschen des Agilist: auf dem GR221 die wichtigste Packregel, weil du im Gehen trinkst statt beim Absetzen.

Anreise, Karte und Track

Der GR221 ist einer der wenigen Fernwanderwege, den du komplett ohne Mietwagen gehst. Vom Flughafen Palma fährt der Stadtbus A1 zur Estació Intermodal im Zentrum, von dort bringt dich die TIB-Linie 101 in gut einer Stunde nach Port d’Andratx. Wer Etappe 1 auslässt, steigt in Andratx auf die Linie 121 nach Sant Elm um. Zurück von Port de Pollença fährt die Linie 301 direkt nach Palma. Liniennummern und Fahrpläne ändern sich, prüfe sie vor der Abreise auf tib.org. Gaskartuschen brauchst du für die Refugi-Variante nicht. Falls doch, führen Outdoor-Läden in Palma sie, am Flughafen nicht.

Als Karte hat sich die Editorial Alpina „Mallorca Tramuntana“ im Maßstab 1:25.000 bewährt, zwei Blätter für die ganze Route, wasserfest und mit dem GR221 als eigener Signatur. Den GPS-Track bekommst du beim Consell de Mallorca oder über Komoot, wo der GR221 als Collection mit allen Etappen liegt. Lade Track und Karten vor dem Abflug offline. Im Barranc und um den Coll des Prat hast du kein Netz.

Gepäcktransport wird für den GR221 von einigen Veranstaltern angeboten. Mit dem Setup oben brauchst du ihn nicht. Drei Kilo Ausrüstung sind kein Grund, ein Taxi hinter dir herfahren zu lassen, und Refugis wie Tossals Verds erreicht ohnehin kein Auto.

Häufige Fragen zum GR221

Die Hauptroute des GR221 misst 150,1 Kilometer von Port d’Andratx bis Port de Pollença, dazu kommen 111 Kilometer beschilderte Varianten. Die meisten Wanderer gehen die Hauptroute in 8 bis 10 Tagen.

Der Consell de Mallorca teilt den Weg in 9 Etappen zwischen 7 und 26 Kilometern. Die lange Etappe von Esporles nach Deià lässt sich in Valldemossa teilen, dann sind es 10 Tage.

Ein Bergwanderweg zwischen T1 und T3: Kalkpfade, einzelne mit Ketten gesicherte Stellen, 600 bis 1.000 Höhenmeter pro Tag. Technisch leichter als eine Hüttentour in den Alpen, klimatisch härter wegen Hitze und Wassermangel.

März bis Mai und Oktober bis November. Im Sommer ist es zu heiß und die Zisternen sind trocken, im Winter sind die Tage kurz und Regen häufig. Die Osterwoche ist die vollste Zeit des Jahres.

Ja. Die Consell-Refugis kosten 14 € pro Nacht und werden online zwischen vier Monaten und fünf Tagen vor der Übernachtung mit 80 Prozent Anzahlung gebucht. Im Frühjahr sind sie Wochen vorher ausgebucht.

Nein. Freies Zelten und Biwakieren sind auf Mallorca nach dem Naturschutzgesetz Ley 5/2005 verboten, die Serra de Tramuntana ist Natura-2000-Gebiet. Bußgelder beginnen bei 100 €. Die Refugis sind die legale und günstigere Alternative.

Unterwegs praktisch nicht. Quellen und Zisternen sind unzuverlässig, verlässlich sind nur die Dörfer. Plane drei Liter pro Person für eine lange Etappe, bei Hitze vier, und fülle abends im Refugi auf. Mehr dazu im Guide zum Wandern bei Hitze.

Einige Anbieter transportieren Gepäck zwischen den Etappenorten. Abgelegene Refugis wie Tossals Verds erreichen sie nicht. Mit einem Refugi-Setup unter drei Kilo ist der Transport überflüssig.

Nächster Schritt: deine Tramuntana-Woche planen

Buche zuerst die Refugi-Kette, dann den Flug, dann den Rest. Vier Monate Vorlauf sind das Maximum, und im Frühjahr brauchst du sie. Lege die Etappen vorher fest, plane das Wasser pro Tag und pack so, dass du auf Etappe 2 mit drei Litern startest, ohne dass der Rucksack zieht.

Ich bin 2015 am Cúber-Stausee ausgestiegen, weil der Rückflug ging. Die Etappen über den Coll des Prat nach Lluc und hinunter nach Pollença stehen seitdem auf meiner Liste. Diesmal von Refugi zu Refugi.

Quellen

  1. Consell de Mallorca, Camins de Pedra: offizielle Seite zur Ruta de Pedra en Sec GR 221 (Länge der Hauptroute und Varianten, Etappen, höchster Punkt, Hinweis auf nicht beschilderte Abschnitte). caminsdepedra.conselldemallorca.es
  2. Consell de Mallorca: Refugi de Tossals Verds, Preise für Übernachtung und Mahlzeiten, Stand 2025. caminsdepedra.conselldemallorca.es
  3. gr221.info: Übersicht der Refugis am GR 221 mit den Buchungsregeln des Consell (Vorlauf, Anzahlung, Bettwäsche) und Status der Häuser 2025. gr221.info
  4. Ramis Abogados: Rechtslage zu Camping und Biwak auf Mallorca (Ley 5/2005, Natura 2000). ramisabogados.com
  5. UNESCO World Heritage Centre: Cultural Landscape of the Serra de Tramuntana, eingeschrieben 2011. whc.unesco.org